Ein letztes Mal: „Neun-x-neu“ wird beendet

Sparplan der Landeskirche zwingt Konzertreihe zum Ende

„Weicht ihr Trauergeister!“ Niklas Heineke an der Truhenorgel unterstützt das Vokalensemble „Cantemus“ instrumental. Foto: zbs

Bergen-Enkheim (zbs) – Alle Bänke in der Laurentiuskirche waren voll. Die Musikbegeisterten wollten dem Schlusskonzert der Reihe „neun-x-neu“ zuhören. „Ein Statement der Gemeinde“, fand Kantor Wolfgang Runkel.

Die Landeskirche Hessen-Waldeck hatte angekündigt, starke Kürzungen vorzunehmen, das Budget reiche nicht mehr aus. So seien die Sänger des Vokalensembles „Cantemus“ die letzten musikalischen Stargäste einer 20 Jahre alten Tradition, erfuhren die Konzertbesucher.

„Weicht, ihr Trauergeister“ war das Motto des Abends, passend zum Totensonntag, der das Ende des Kirchenjahres markiert und in diesem Fall auch das Ende einer Ära. Chorleiter der „Cantemus“-Gruppe Alexander Keidel und Kantor der Laurentiuskirche Wolfgang Runkel, langjährige Freunde, die sich im Studium kennengelernt haben, ging es dabei aber vielmehr um die Ewigkeit, die Ruhe und den Frieden des Lebensabends. Auf dem Altar brannten Kerzen und ein Strauß an Rosen und Farnen lag daneben, um eine besinnliche Atmosphäre zu schaffen, die vorführenden Künstler waren alle ganz in schwarz gekleidet.

16 Hobbysänger führten eine professionell einstudierte Motette Johann Sebastian Bachs in Begleitung verschiedener Instrumente auf, das Ganze lief rund eine Stunde lang, beginnend um 16 Uhr. Im Programmheft lasen Zuhörer den Text mit und erfuhren über die architektonischen, musikalisch symmetrischen Besonderheiten des Stücks, das repräsentativ für den Barock ist. So bildet das Zentrum des Satzes „Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich!“ auch die Mitte des kompletten Lieds und betont die Essenz und Botschaft der gesamten elf Strophen. Die Sänger schafften dabei Sprünge von schwebenden, traurig aufgeladenen Stimmungen hin zu A-capella-Gruppen-Feelings, wobei sie sich schnell und pointiert, rhythmisch ergänzten. Für akustische Wucht sorgte Ruth Sarrazin am Cello. Das Solo füllte den großen Raum ganz aus. Die tiefen, vollen Töne ließen die Zuhörer träumen, vergessen oder erinnern. Sarrazins Ziel war es, die enorme Bandbreite ihres Instrumentes in allen Stilen weiterzugeben, der Applaus der Zuhörer sprach für sich. Klatschen, das um Minuten anhielt und jubelnde Zwischenrufe.

Ein besonderer Tag. Noch einmal gelang es Runkel, Kultur in Bergen-Enkheim zu schaffen und hochwertig angesehene Musik in die Nachbarschaft zu bringen. Damit will er auch nicht aufhören. „In so einer Frequenz ist das nicht mehr möglich, aber natürlich wird es weiterhin Veranstaltungen geben. Ich habe auch schon etwas geplant“, deutete er an. Die Idee müsse erst noch den Gremien vorgestellt werden, dann werde es eine kleine Überraschung geben.

Trotz der Hiobsbotschaft, dass bis 2026 jede vierte Kantor-Stelle im Kirchenkreis gekürzt werden soll – so auch die seine – schaut man in die Zukunft: „Mit ,neun-x-neu’ haben wir uns über Jahre eine Zuhörerschaft aufgebaut, die stetig wächst. Wir werden diesen auch weiterhin Veranstaltungen bieten. Die Musik war einer der Wege, Menschen in diese Kirche zu bringen“, sagte Runkel überzeugt. Die Folgen der Etatkürzung der Landeskirche werden sich in den kommenden Jahren zeigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare