Schönheit des Stadtteils erleben

Neue Broschüre „Rundgang Historisches Bergen-Enkheim“

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Ein Herzensprojekt: Horst R. Becker freut sich über die Broschüre zum historischen Rundgang durch Bergen-Enkheim.

Bergen-Enkheim (zko) – Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Heimatmuseum hat neuen Lesestoff verfasst, der zugleich zum Spazierengehen im Stadtteil animieren soll: Das Büchlein „Rundgang Historisches Bergen-Enkheim“ lädt dazu ein, die geschichtlichen Besonderheiten Bergen-Enkheims zu erkunden.

Horst R. Becker, Leiter des Heimatmuseums Bergen-Enkheim, war zusammen mit Vereinsmitglied Christel Herren verantwortlich für die Texte und die Gestaltung des Bändchens. „Bereits vor Jahren war die Idee zu einer solchen Broschüre in der Jahreshauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft Heimatmuseum aufgekommen, aber die Initialzündung kam schließlich von Christel Herren“, erzählt Becker. Sie fand das Projekt so wichtig, dass sie zur Freude des Vereinsvorsitzenden Winfried Röhling viel Zeit und Herzblut in das Unterfangen steckte. Sie erstellte die Fotos für die Broschüre und entwarf zusammen mit Horst R. Becker das Grundgerüst zum Buch. „Christine Hahn entwickelte den Rundgang, der zu Fuß etwa zwei Stunden in Anspruch nimmt“, führt Becker aus. Mit Unterstützung von Michael Würtz, Ulrich Nowak, Anja Lommel, dem mittlerweile verstorbenen Walter Reul und anderen Mitgliedern der AG Heimatmuseum ist die Broschüre entstanden, die der Ortsbeirat 16 offiziell bei der AG Heimatmuseum in Auftrag gegeben hat.

Der Rundgang beschreibt 43 Stationen in Bergen und Enkheim, die mit wunderbaren Zeichnungen von Friedrich Philipp Usener versehen sind. Die Illustrationen zeigen die Stätten so, wie sie sich dem Auge des Betrachters vor 150 Jahren präsentierten. Friedrich Philipp Usener, Sohn des Amtmanns von Bergen Johann Heinrich Usener, war sich zu seiner Zeit bereits bewusst, dass das Ortsbild festgehalten werden sollte, da es ständigem Wandel unterlag. „Usener hatte die Weitsicht, mit seinen künstlerischen Fähigkeiten den Zustand des alten Gemäuers für die Nachwelt zu dokumentieren“, heißt es in der Broschüre. Um den Ort immer wieder zu erweitern, wurden im Lauf der Zeit viele historische Bauwerke abgerissen. In den heutigen Kellergeschossen der Häuser in Bergen befinden sich noch zahlreiche Steine der ehemaligen Wehrmauern. Ludwig Kleemann, der von 1886 bis 1917 mehr als 30 Jahre lang Bürgermeister von Bergen war, ließ besonders viele alte Gebäude niederreißen, um Platz für Neues zu schaffen. „Das war in diesen Jahren an der Tagesordnung und wurde von den Bürgern durchaus geschätzt. ,Was nützt uns ein alter Steinklumpen, was hindert, muss hinweg!’ soll Kleemann gesagt haben“, erläuterte Horst R. Becker.

Manche historische Bauwerke warten noch heute mit Überraschungen auf. Zum Beispiel der Weiße Turm, der im Jahr 2017 saniert wurde und dessen jetzt wieder beleuchtetes Erdgeschoss bei offiziellen Rundgängen begehbar ist. Der Turm aus Kalkbruchsteinen wurde unter den Grafen von Hanau errichtet und ist eines der wichtigsten Wahrzeichen Bergens. Mit dem noch vorhandenen Teil der Ringmauer ist er letztes Zeugnis der mittelalterlichen Ortsbefestigung. Bei der Sanierung entdeckte man die ins Mauerwerk eingebrachte Jahreszahl 1472, welche unter Putz versteckt gewesen war. Wichtig war Heimatforscher Becker auch das kurze Kapitel über den volksnahen Schriftsteller Peter Bichsel, Bergens Stadtschreiber des Jahres 1981/82. In Bichsels Erzählband „Der Busant“ hat er dem Bergen-Enkheimer Dr. Ludwig Emmel, der im Buch „Dr. Amstel“ heißt, ein literarisches Denkmal gesetzt. „Uns ging es mit der Erstellung dieser Broschüre vor allem darum, die historischen Sehenswürdigkeiten und geschichtsträchtigen Bauten sowie die Schönheit unseres Stadtteils zu dokumentieren und erlebbar zu machen“, sagt Becker. Die AG Heimatmuseum plant, im Frühjahr einen geführten Rundgang anzubieten.

Die Broschüre ist für zehn Euro in der Buchhandlung „Bergen erlesen“ in Bergen sowie bei Schreibwaren Kraus in Enkheim zu erwerben.

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