Jahresfahrt der AG Heimatmuseum in den Hunsrück

Ein Schelm in Stromberg

Die Teilnehmer der Jahresfahrt der AG Heimatmuseum besichtigten den Archäologiepark Belginum in Morbach. Foto: p

Bergen-Enkheim (red) – Die Jahresfahrt der AG Heimatmuseum Bergen-Enkheim führte in den Hunsrück. Das Wetter war der Reisegruppe wohlgesonnen. Judith Wunderlich lässt den Ausflug Revue passieren.

Erster Anlaufpunkt war der Archäologiepark Belginum in Morbach. Das archäologische Ensemble von keltisch-römischem Gräberfeld, früh römerzeitlichem Militärlager, Siedlung und Tempelbezirken befindet sich in verkehrsgeografisch und strategisch hervorragender Lage auf der Hochlage. Bereits vom fünften bis ersten Jahrhundert vor Christus nutzten Kelten diese Wege, vom ersten bis vierten Jahrhundert nach Christus wurde die römische Straße von Einheimischen, Durchreisenden und Militär genutzt. Im Mittelalter liefen und fuhren auf ihr Bauern, Ritter, Kaufleute und Kurfürsten. Und bis heute hat diese Trasse, die in weiten Teilen mit der antiken Straßenführung identisch ist, als stark frequentierte Verbindung eine große Bedeutung.

Grabungen im Jahr 1969 lieferten erste Anhaltspunkte zur Struktur der Siedlung, die sich über eine Länge von etwa 600 Metern entlang der Hunsrückhöhenstraße erstreckte, die dort die römische Straße um einen halben Meter überlagert. 1995 wurden die archäologischen Untersuchungen im Vicusareal aufgenommen.

Das von römischer Architektur inspirierte, 2002 eröffnete Museumsgebäude des Archäologieparks steht mitten in dem antiken Straßendorf und zeigt sehr anschaulich das Leben an einer Fernstraße in keltischer und römischer Zeit.

Seit den 1970er Jahren haben sowohl die Ausgrabungen wie auch Bohrungen im Umfeld von Belginum hervorragende Ergebnisse zur Entwicklungsgeschichte der Vegetation und Landschaft sowie zur Landwirtschaft und Ernährung in der Eisen- und Römerzeit geliefert. Weitere Themen greifen den Handel in der Region bis ins Römische Reich auf, behandeln aber auch die Tisch-, Ess- und Trinksitten der Kelten und Römer.

Nach dem Essen konnte die kurze Strecke zum Heimatmuseum Stromberg, nahe des Marktplatzes, zu Fuß zurückgelegt werden. Dort wurde den Ausflüglern ein buntes Sammelsurium alter Gebrauchs- und Alltagsgegenstände aus Stromberg vorgeführt, die sich über die Jahrzehnte bis Jahrhunderte ansammelten und von vielen Stromberger Bürgern an das Heimatmuseum gegeben wurden, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Bei vielen der Gruppe kam dann immer wieder ein „So was hatte ich auch“ oder „Daran kann ich mich noch erinnern“.

In den Räumen des ehemaligen Forsthauses finden sich neben eingerichteter Wohnstube und Küche noch eine alte Uhrmacherwerkstatt und ein Schulzimmer mit alten Pulten und Fibeln. Eine alte Schlafstube mit Kleidern verschiedener Epochen sowie alte Spielsachen und Puppenstuben fanden viel Beachtung. Beeindruckend ist der originale, restaurierte Schmuckfußboden aus der Kapelle der Alten Stromburg, der vermutlich in der Mitte des zwölften Jahrhunderts entstand.

Ein zeitweiser Bewohner Strombergs, dass seinerzeit zur Kurpfalz gehörte, hinterließ dort leider keine Spuren: Adolph Schelm von Bergen war gleichfalls als Oberamtmann dort tätig. Ein Oberamtmann war oberster Verwalter eines Bezirks. Im 17. und 18. Jahrhundert hatten Amtleute eine juristische Ausbildung. Verheiratet war Adolf Schelm von Bergen mit einer Dame von Venningen, die wohl aus dieser Gegend stammte. Mit dem Schelm von Bergen bildet sich der Bezug zur Jahresfahrt.

Erfüllt von den vielen Eindrücken begab sich die Gruppe wieder zum Bus, der sie nach Bingen brachte, wo im Hildegardishof, einem Winzer-Restaurant, eine vorzügliche Vesper genossen wurde, begleitet von ebenso gutem Wein. Anschließend brachte der Busfahrer alle wohlbehalten in die Heimat zurück. „Ein herzliches Dankeschön geht an die Zweite Vorsitzende Christine Hahn, die diese Fahrt sorgfältig und gekonnt ausgearbeitet hat“, heißt es von der AG Heimatmuseum.

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