Vorträge der IGFM zu Menschenrechtsverletzungen in der DDR

Ohne Hass zurückblicken

Sylvia Wähling stellt beim Vortragswochenende der IGFM die Gedenkstätte Zuchthaus in Cottbus vor. Foto: nma

Bergen-Enkheim (nma) – 30 Jahre ist es her, dass in der DDR und Osteuropa zahlreiche Menschen von der Stasi und dem KGB aus verschiedensten Gründen eingesperrt wurden. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) lud deshalb zu einem Veranstaltungswochenende ein.

Doch richteten die Anwesenden ihren Blick nicht nur auf Vergangenes. Denn auch im Jahr 2019 sind Menschenrechte in Gefahr.

Verschiedene Redner aus ganz Europa nahmen am großen Vortragswochenende der IGFM teil. In Bergen-Enkheim standen unter anderem Vorträge des Bundestagsabgeordneten Norbert Altenkamp und von Raimo Tonissoo auf dem Programm. Letzterer ist beispielsweise Verantwortlicher des Okkupationsmuseums in der estländischen Hauptstadt Tallinn.

Doch auch deutsche Erinnerungsstätten wurden vorgestellt. So sprach Sylvia Wähling zum voll besetzten Saal. Wähling ist aus Cottbus angereist, leitet dort die Gedenkstätte Zuchthaus. Bereits 1860 in Betrieb genommen, diente die Anlage in der Kaiserzeit, der Weimarer Republik, der NS-Periode und der DDR als Gefängnis. In Betrieb war dieses sogar noch bis ins Jahre 2002. Der Verein Menschrechtszentrum Cottbus leitet die heutige Erinnerungsstätte. Dem Zentrum gehören vor allem ehemalige politische Gefangene der Anstalt an. Auf verschiedenste Arten wird dort heute diesen gedacht. „Wir haben zum Beispiel zahlreiche persönliche Gegenstände von ehemaligen Insassen dort“, berichtet die Leiterin. Als Beispiel zeigt sie die Mütze eines Babies, der eine schreckliche Geschichte anhängt, die allerdings gut endete: „In Cottbus waren auch Frauen inhaftiert. Eine davon wurde von zwei Stasi-Leuten vergewaltigt und wurde schwanger. Das Kind wurde ihr weggenommen“, beschreibt Wähling. Erst Jahrzehnte später gelang es Tochter und Mutter über eine Fernsehsendung, wieder zueinander zu finden. „Diese Baby-Mütze gehörte der Kleinen damals und die Mutter hat sie uns zur Verfügung gestellt.“

Das sei allerdings nur ein Beispiel für die vielen Schicksale, die mit dem Zuchthaus Cottbus verwoben sind. Die Ausstellung im Zuchthaus sei interaktiv gestaltet, nicht nur in den Innenräumen, man nutze stattdessen das gesamte Gelände. „Besuchern begegnen beim Gang durch die Gebäude historische Fotografien und Zitaten von Häftlingen“, beschreibt Wähling. Ganz wichtig sei ihr und ihrem Trägerverein beim Betreiben der Gedenkstätte allerdings der Versöhnungsgedanke. Dieser sei fest in der Vereinssatzung verankert. „Wir blicken nicht mit Hass zurück. Wir geben allen Menschen die Hand und versuchen auch Menschen zusammenzubringen, die vielleicht einmal auf gegenüberliegenden Seiten gestanden haben.“ Dabei soll der Blick auch in die Gegenwart gehen: „Wir wollen damit insgesamt auch aufrufen, sich zu engagieren. Denn nicht alles ist Geschichte, solche Dinge sind auch heute noch aktuell“, mahnt die Leiterin der Gedenkstätte.

Genau das ist der Grund, warum eine Organisation wie die IGFM auch heutzutage viel Arbeit hat. „Wir haben das jetzt, da sich der Mauerfall zum 30. Mal jährt gemacht. Wir machen aber regelmäßig Veranstaltungen zu verschiedenen Anlässen“, erklärt Valerio Krüger von der IGFM. „Der Schwerpunkt lag dementsprechend im Austausch über die früheren Menschenrechtsverletzungen in der DDR und Osteuropa, doch es ist schön zu sehen wie unsere Referenten immer auch die Brücke in unsere aktuelle Zeit schlagen, zu aktuellen Themen in Krisengebieten“, findet Krüger. Die IGFM befindet sich seit mehr als 40 Jahren in Frankfurt.

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