Der Mensch im Mittelpunkt des Wirkens

Nachruf: Krankenpflegeverein Bergen-Enkheim trauert um Helmut Peter Günther

Helmut Günther wird dem Krankenpflegeverein immer in guter Erinnerung bleiben. Foto: p
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Helmut Günther wird dem Krankenpflegeverein immer in guter Erinnerung bleiben.

Am 14. Januar ist Helmut Peter Günther verstorben. Der Vorsitzende des Krankenpflegevereins Bergen-Enkheim, Rainer Stoerring, lässt das Leben des Ehrenvorsitzenden des Krankenpflegevereins Revue passieren:.

Bergen-Enkheim –  „Wo genau fängt man an, von einem Menschen zu berichten, dessen Leben fast ausschließlich auf das Wohl anderer Menschen ausgerichtet war? Bestimmt ist es einfach, einen anderen wohlgesinnten Mensch als einen guten Menschen zu bezeichnen. Es gibt viele Weggefährten, die uns im Leben begleiten und über die guten Werte des Lebens verfügen. Doch wir wollen über die Vita eines Menschen schreiben, der nicht nur wusste, wie man ein gutes Wort spricht, einen wortvollen Ratschlag gibt, helfen kann oder sich einfach nur Zeit für einen anderen nimmt. Er wusste auch, wie man dies in die Tat umsetzt und tat dies auch.

An einem winterlichen Samstag, 12. Februar 1927, wurde Helmut Peter Günther, in der Geizengasse 4, seinem Elternhaus in Enkheim, geboren. Die Eigenschaften der Aufrichtigkeit, der Hilfsbereitschaft und die soziale Gesinnung der im Sternzeichen des Wassermanns geborenen Menschen, prägten sein Leben besonders.

Nach dem Besuch der Volksschule Bergen-Enkheim absolvierte Helmut Günther eine Lehre zum Chemiewerker und schloss die zum Chemielaboranten an. Direkt mit dem Abschluss wurde er im Oktober 1944 zum damaligen Reicharbeitsdienst einberufen. Es folgten die Einberufung zur Wehrmacht und der Einsatz an der Ostfront. Im März 1945 wurde ihm nach einer schweren Verwundung der linke Arm amputiert. Während seiner Zeit im Lazarett in Freising wurde Oberbayern von den Amerikanern eingenommen und es folgte die Kriegsgefangenschaft bis August 1945.

Bis auf die Minute genau erinnerte sich Helmut Günther, es war Freitag, 7. September 1945, 21.45 Uhr, als er wieder in seinem Elternhaus eintraf. Gezeichnet durch das schwere Schicksal und die Schatten des Krieges konnte er seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben.

Bergen-Enkheim: Nachruf zu Helmut Peter-Günther

Im Dezember 1945 folgte ein Angestelltenverhältnis bei der Gemeinde Bergen-Enkheim. Durch einige Verwaltungsseminare und -lehrgänge erarbeitete sich Helmut Günther den Stand des Verwaltungs-Inspektors.

Wohl auch durch die Eheschließung mit Marie Auguste Weil am 28. Mai 1949, entdeckte er seine Affinität als Standesbeamter. Durch verschiedene Aus- und Weiterbildungen wurde er 1959 zum Standesbeamten benannt. Viele der Leser erinnern sich an ihren großen Tag und können sagen, dass Helmut Günther sie getraut hat. Mit der Eingemeindung von Bergen-Enkheim nach Frankfurt 1977 übernahm Helmut Günther die Leitung der Sozialstation, welche er bis zu seinem Ruhestand 1983 innehatte.

In einem privaten Gespräch sagte Helmut Günther einmal: ,Die Aufgaben des Lebens enden nicht mit dem Ruhestand. Es gibt noch so viele Dinge, worum man sich kümmern muss, was erledigt sein will und womit man helfen kann.’ Sein Lebenswerk zeigt deutlich, dass dies nicht nur Worte waren, sondern seine tiefe Überzeugung. Er kümmerte sich und half, wo immer er konnte.

Bereits 1950 trat er dem heutigen Krankenpflegeverein bei. Der Auslöser dazu war eher amüsanter Natur. Die damalige Ortsschwester verordnete seiner Schwiegermutter zur Behandlung der Rheumaerkrankung den Einsatz von Brennnesselruten. Jeder von uns kann sich vorstellen, zu welcher Form der Anwendung sie genutzt wurden. Überzeugt von dem Wissen der Ortsschwester und der Wirkung der Brennnesseln, wurde er zunächst Mitglied in dem damals noch kleinen Verein „Schwesternheim zu Bergen“. Mehr als 34 Jahre war er später Vorsitzender und lenkte die Geschicke des Vereins auch durch teils schwere Zeiten. Neben seinen vielen Aktivitäten im Sinne des Vereinszweckes zeichnete ihn sein besonders soziales und hilfsbereites Engagement für andere Menschen in besonderen Lebenssituationen aus.

Bergen-Enkheim: Nachruf zu Helmut Peter-Günther

Seinen federführenden Einsatz für den Verband der Kriegsgeschädigten (VdK) ehrte der Sozialverband mit der Ehrenplakette und dem Ehrenbrief. Diesen folgten die Albrecht Sauer Plaketten in Bronze und Silber, der Ehrenbrief des Landes Hessen und im Jahr 2000 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Diese hohen Auszeichnungen nahm er würdigend und mit der ihm eigenen Bescheidenheit an, doch sprach er nicht gerne in der Öffentlichkeit darüber. Für ihn war es einfach selbstverständlich, dass sich jeder Mensch für das Gemeinwohl einsetzt. Und das tat er bis zuletzt.

Im Frühjahr 2013 übergab Helmut Günther die Leitung des Krankenpflegevereins in die Hände des neuen Vorstands. Mit Rat und Tat stand er als Ehrenvorsitzender an unserer Seite und erfreute sich daran, dass seine Nachfolger den Verein moderner, doch immer auf gutem Wege führten. Gemeinsam mit ihm feierten wir im Sommer 2018 das 125-jährige Jubiläum seines Vereines und begrüßten im selben Jahr das 1000. Mitglied. Zwei Momente, die ihn mit Stolz erfüllten. Sah er doch, dass für den Krankenpflegeverein Bergen-Enkheim auch weiterhin der Mensch im Mittelpunkt des Wirkens steht.

Am 14. Januar 2020 verstarb Helmut Peter Günther friedlich im Kreise seiner Familie. Ein trotz aller Umstände, gutes, ereignisreiches und aktives Leben ging zu Ende. Was uns bleibt, ist die Erinnerung an einen wertvollen Menschen unserer Gesellschaft. Er hatte nie aufgegeben an das Gute zu glauben und leistete kontinuierlichen Einsatz für uns Bergen-Enkheimer. In diesem Sinne nehmen wir Abschied von Helmut Peter Günther und danken für seine unermüdliche Schaffenskraft, seine außerordentlichen Leistungen und dafür, dass wir Teil seines Lebens und er ein Teil unseres Lebens war.“

(red)

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