Musikalische Reise durch Jahreskreis

„Neun-x-neu“: Orgelkonzert mit Thomas Wilhelm

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Thomas Wilhelm spielte in der Laurentiuskirche selten Gehörtes aus Vergangenheit und Gegenwart.

Bergen-Enkheim (jf) – Die barocke Laurentiuskirche, errichtet vor 300 Jahren, wirkt nach der jüngsten Renovierung 2010 modern und hell. Seit 2012 hat die Kirche eine neue Orgel, konstruiert von Gerald Woehl aus Marburg.

Die Bezeichnung „Klangkirche“ trägt der Sakralbau zu Recht; der gemeinnützige Verein gleichen Namens setzt sich für die Förderung musikalischer Projekte ein – und freut sich natürlich über weitere Mitglieder. In der Konzertreihe „neun-x-neu“ gastierte Thomas Wilhelm in der Laurentiuskirche. Für den studierten Musiker und Orgelsachverständigen der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau sowie Dozenten an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg war das Konzert eine Premiere. Allerdings kennen sich Kantor Wolfgang Runkel und der Gastmusiker des Orgelkonzerts seit vielen Jahren. Sie studierten beide an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt.

Wolfgang Runkel stellte seinen Kollegen vor, Thomas Wilhelm bemerkte zum Konzert: „Wir beginnen mit der Osterzeit im Jahreskreis und enden bei Fronleichnam.“ Zum Auftakt erklang das nicht häufig gespielte Moderato aus dem ersten Satz der „Symphonie Romane“ von Charles-Marie Widor. Zuweilen fast schrill und durchdringend war dieses Lob des Ostersonntags. Beim „Capriccio sopra il Cucu“ von Johann Caspar Kerll hatte sich musikalisch ein Kuckuck in die Laurentiuskirche verflogen und begeisterte die Zuhörer. „Cinq versets sur le Victimae Paschali“ des französischen Gegenwartskomponisten Thierry Escaichs bauen auf der gregorianischen Ostersequenz auf und durchströmten am Ende klanggewaltig und wuchtig den Raum.

Es folgte „Veni creator spriritus“, in dem Nicolas de Grigny das Publikum in die (Pfingst-)Zeit von Ludwig XIV. entführt. Von Vögeln und Quellen erzählte das Stück „Communion: Les oiseaux et les sources“ von Olivier Messiaen.

Johann Sebastian Bach war gleich doppelt mit einem zweifachen „Wir glauben an Gott“ zu hören. Das zweite, fünfstimmige Stück ist hohe Kunst und ließ die Zuhörer im Wohlklang aufgehoben zurück. Die „Lauda sion salvatorem“ von Sigfrid Karg-Elert leitet bereits zum Fronleichnam hin und beschloss das Konzert mit einem erhabenen Gefühl. Natürlich kam der Orgelexperte Thomas Wilhelm trotz der Premiere an diesem Instrument glänzend mit den Registern, den Manualen und dem Pedal zurecht. „Die Orgel bietet sehr viele Klangfacetten“, sagte er nach dem Konzert begeistert.

Ein Junge ließ sich das Instrument nach dem Konzert noch ein bisschen erklären. „Und wie klingt das?“, deutete er auf eines der 23 Register. „Wie Döner mit scharfer Soße“, erklärte Kantor Wolfgang Runkel, zog den Knopf und schlug ein paar Tasten an: Eine sehr plausible und verständliche Erklärung.

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