Ökumenische Gemeindefahrt führt nach Worms

Auf Martin Luthers Spuren

Auf der Gemeindefahrt gab es viel zu entdecken. Elke Klinger-Weil bewundert den neuen Altar im Dom St. Peter in Worms. Foto: Volker Weil/p

Bergen-Enkheim (red) – 39 Teilnehmer starteten mit dem Bus von Bergen-Enkheim zur Ökumenischen Gemeindefahrt nach Worms. In Worms am Neumarkt angekommen, schauten sich die Teilnehmer zuerst den Siegfriedbrunnen an, auf dessen Spitze der Drachentöter zu sehen ist.

„Worms ist der Mittelpunkt des Nibelungenliedes“, erklärt Wolfgang Porth, der die Reise Revue passieren lässt.

Weiter ging es zum Dom St. Peter. Dort nahm Dompropst Tobias Schäfer die Ausflügler mit auf eine Domführung. Abschließend präsentierte er den neuen Altar in der Vierung, dem Herz des Doms. Er wurde unter der Anleitung von Künstlern von Freiwilligen der Domgemeinde aus vielen Schichten gestampfter Erde hergestellt und anschließend geschliffen. Beeindruckend war auch die Statue des Petrus am barocken Hochaltar.

Das ökumenische Mittagsgebet im Chorgestühl des Doms war für die Gruppe ein ganz besonderes Erlebnis. Die Andacht wurde von der evangelischen Ökumene-Pfarrerin Dr. Erika Mohri geleitet und war eingebettet in die gerade startende Interkulturelle Woche. Deshalb sprach auch ein Vertreter der muslimischen Gemeinde über seine überwiegend positiven Erfahrungen in Kindheit und Jugend als Migrantenkind in Worms. Nach dem abschließenden Choral „Großer Gott wir loben Dich“, den die türkischstämmigen muslimischen Mitbürger in der Sprache ihrer Eltern mitsangen, ging es mit dem Bus an das Rheinufer zum Mittagessen ins Gartenlokal.

Im Jüdischen Viertel besichtigten die Ausflügler die Synagoge und Jüdisches Museum im Raschi-Haus. In Worms entstand bereits 1034 das wahrscheinlich älteste Gebetshaus in Deutschland. In der Pogromnacht 1938 brannte die Synagoge vollständig aus.

Nach dem Spaziergang zum Obermarkt verweilte die Gruppe vor dem „Schicksalsrad“, eine fünf Meter hohe Bronzeskulptur des Wormser Künstlers Gustav Nonnenmacher, die unter anderem das Auf und Ab der Wormser Geschichte darstellt.

Der evangelische Dekan Harald Storch erwartete dann die Teilnehmer am großen Lutherdenkmal. Luther steht überlebensgroß in der Mitte des Denkmals, umgeben von vier Frühreformatoren direkt zu seinen Füßen und flankiert von den Großfiguren: seine Beschützer Friedrich III. von Sachsen, der Weise und Landgraf Philipp I. von Hessen, der Großmütige.

Am Heylshof, einem respektablen Kunstmuseum mit Park, besuchten die Ausflügler die Stelle, wo einst der Bischofspalast stand. Dort musste sich 1521 Martin Luther während des Reichstags vor dem jungen Kaiser Karl V. verantworten. Die Kernaussage Luthers und die Stellungnahme Karls V., der um die Einheit des Reiches und den Frieden mit der Kirche fürchtete, sind durch das damalige Sitzungsprotokoll verewigt und dort in zwei Schrifttafeln angeschlagen. Danach wurde die Magnuskirche von außen angeschaut. Sie gilt als älteste lutherische Kirche in Südwestdeutschland:

Endstation war die Dreifaltigkeitskirche, die größte protestantische Kirche in Worms, einst erbaut als Gedächtniskirche der Reformation. Diese Kirche wurde 1945 durch einen Luftangriff zerstört und bis 1959 wiederaufgebaut; außen weitgehend historisch, während der Innenraum modern gestaltet wurde. Die Ehepaare Klinger und Porth hatten eine Abendandacht vorbereitet mit Texten, ausgearbeitet von der ökumenischen Kommunität Iona in Schottland und dem Gebet für die Einheit der Christen aus dem Fuldateil des Gotteslobes.

Am Abend waren alle wieder heil in Bergen-Enkheim angekommen, ein denkwürdiger Tag ging zu Ende. „Wir danken unseren beiden Gemeindesekretärinnen Anna Kneipp und Susanne Staab-Kluger für die Hilfe bei den Vorbereitungen und Anmeldungen“, sagt Wolfgang Porth abschließend.

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