Ein Kosmos gerät aus den Fugen

Info-Veranstaltung zum Bau des Riederwaldtunnels erhitzt Gemüter

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Mit Plakaten und Trommeln machen Bürgerinitiativen auf Missstände beim Bauprojekt Riederwaldtunnel aufmerksam.

Riederwald (jf) – „6 km Neubau! Nur 1 km Tunnel!“, steht auf einem handgemalten Plakat. Es ist eins von mehreren Bannern, die Aktive zum Protest vor der Informationsveranstaltung von Hessen Mobil in die Riederwälder Schäfflestraße mitgebracht hatten.

Lautstark machten sie mit Trommeln und Pfeifen vor der Heilig-Geist-Kirche auf sich aufmerksam und verteilten Faltblätter. Im Saal der Kirchengemeinde hatten sich viele Interessierte eingefunden: Aktive der Bürgerinitiative Riederwald (BIR), Friedhelm Ardelt-Theeck vom Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn (AUA) und betroffene Anwohner. Steffen Rütenfrans und Jürgen Semmler von Hessen Mobil stand ein Expertenteam auf dem Podium zur Seite. Andrea Schilling erläuterte zunächst anhand einer Bild-Präsentation den Stand der Maßnahme „Leitungsbrücke Lahmeyerstraße“ im Projekt Riederwaldtunnel. „Wir haben im Januar mit der Leitungsbrücke Lahmeyerstraße begonnen und werden uns bis etwa 2020/21 im Bau befinden“, äußerte Schilling. Gegenüber der Lahmeyerstraße seien Lärmschutzwände errichtet worden. Nun werde an der Spundwand gearbeitet. Von den Bauarbeiten sind auch die Linien U4 und U7 betroffen, die U4 verkehrt in den Sommerferien von der Bockenheimer Warte nur bis Seckbacher Landstraße, die U7 zwischen Heerstraße und Schäfflestraße. Zwischen Schäfflestraße und Enkheim ist ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Die Lahmeyerstraße werde wohl bis 2021 gesperrt bleiben, also über die gesamten vier vorgesehenen Bauphasen. Murren im Saal und erste Fragen. „Die Radwege sind unübersichtlich und gefährlich“, meinte Friedhelm Ardelt-Theeck. Semmler forderte ihn auf, seine Beschwerden schriftlich an ihn zu richten. Weitere Zwischenrufe drohten, die Veranstaltung zu sprengen. „Warum ist keiner vom Straßenverkehrsamt da?“ „Wo bleiben die Verantwortlichen der Stadt?“ Die Verkehrsführung sei mit der Stadt abgestimmt worden, wollte Semmler beruhigen. Doch viel nützte das nicht. Die Information geriet ins Durcheinander. Vielleicht auch aufgrund des unterschiedlichen Kenntnisstandes. Doch damit müssten die Veranstalter klar kommen, meinte eine Bürgerin.

Dann wurde der Begriff Leitungsbrücke geklärt, der nämlich erzeuge falsche Vorstellungen. Es handele sich eigentlich um 8,50 Meter breite und 32,5 Meter lange Leitungsschalen, in denen die Kabel geführt werden. Unterirdisch könne dies nicht erfolgen – es gäbe zu viele Konflikte mit dem vorhandenen Netz, sagte Semmler. Der Tunnel verdränge bestehende Leitungen, deshalb gäbe es drei Leitungsbrücken: Die bereits fertiggestellten am Gleisdreieck und an der Borsigallee und nun eben die an der Lahmeyerstraße. All das seien Vorarbeiten für den Tunnel, der nach 2021 in voraussichtlich acht Jahren errichtet werde. Ende 2019 rechne man mit Herstellung des Baurechts. „Und mehr als 100 Bäume wurden bereits voreilig gefällt!“, bemerkte Rainer Frey von der BIR. Erneut geriet die mühsam errungene Aufmerksamkeit ins Wanken, Zwischenrufe schaukelten die Atmosphäre hoch.

Sorgen bereitet den Menschen auch die Situation an der Pestalozzischule. Die Lehrerin Barbara Wirtz äußerte, dass man bei dem Lärm und der Hitze die Fenster nicht öffnen kann. Das sei unerträglich. Ein Experte sagte, dass die Lärmwerte eingehalten worden seien. „Damit haben Sie sicher von ihrem Standpunkt aus Recht, lösen aber die Probleme an der Schule nicht. Es geht um das gesamte Bild. Vormittags sind die Kinder dem Lärm rund um die Schule ausgesetzt, nachmittags dem Lärm um ihr Zuhause. Es geht um den ganzen Kosmos Riederwald“, bemerkte ein Bürger.

Dass dieser Kosmos an diesem Abend gehörig aus den Fugen geriet, erschreckte Quartiersmanager Sebastian Wolff: „Ich kriege Angst, die Stimmung ist feindlich – das ist nicht gut für den Riederwald. Der Tunnelbau hat extreme Auswirkungen. Die Leute haben das Gefühl, dass alles über ihre Köpfe hinweg geht.“ Er schlug vor, rechtzeitig zu den Informationsveranstaltungen einzuladen und vor allem auf eine Moderation zu achten. Sein Nachbarschaftsbüro stelle er Hessen Mobil gerne für Sprechstunden zur Verfügung – es liegt mitten im Riederwald und ist allgemein bekannt.

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