„Literatur am Kirchplatz“ begeistert Lesefreudige

Von Grenzerfahrungen

Werner Schledt führte wortgewandt durch die Veranstaltung „Literatur am Kirchplatz. Foto: jf

Bergen-Enkheim (jf) – Gut besucht war die vierte Veranstaltung der Reihe „Literatur am Kirchplatz“ vor der Heilig-Kreuz-Kirche in der Barbarossastraße.

Pfarrer Uwe Hahner begrüßte die Gäste „im südlichsten Zipfel des Bistums Fulda“ und wies auf den Initiator der Reihe, den 2012 verstorbenen Pfarrer Alfons Gerhardt, hin. Der hatte „Literatur am Kirchplatz“ in Hünfeld begründet.

Das Trio Blue Mango mit Ina Wiskott an der Violine, Mohanad Almoslli an der Gitarre und Pejman Jamilpanah an der Tar, 2016 hervorgegangen aus dem Projekt „Bridges – Musik verbindet“ probte in der ersten Zeit in der Heilig-Kreuz-Kirche. „Darauf bin ich stolz“, bemerkte Hahner.

Durch die Veranstaltung führte wortgewandt Werner Schledt: „Hurra, wir lesen noch – wenn auch nur halb so viel wie die Franzosen“ sagte er. Die ehemalige Buchhändlerin Monika Steinkopf erinnerte an Peter Rühmkorf mit dem Gedicht „Auf was nur einmal ist“. Dann las sie aus „Das Kind, das nicht fragte“ von Hanns-Josef Ortheil eine Szene in einer Kirche, in der es um die erste Beichte von Benjamin geht.

Zwischendurch zirpten die Grillen, das Licht wurde schwächer, Flieger lärmten und erschwerten das Zuhören für Augenblicke. Selten fuhr ein Auto vorbei. Nach dieser ersten Lesung spielte Blue Mango „Conversation“.

Moderator Werner Schledt beklagte, dass die Zeitung der Bistumszeitung „Bonifatiusbote“ Ende 2023 eingestellt wird. „Ein auf Spenden angewiesener multireligiöser Fernsehkanal ist fast schon alles in Zeiten von Social Media“, sagte Schledt zum Thema Kirche in der digitalen Welt.

Dann stellte er Ansgar Wucherpfennig, Rektor der Hochschule St. Georgen in Frankfurt, vor: „Wir haben viel Ermutigendes über Sie gelesen.“ Der Jesuit hatte sich für John Boynes „Die Geschichte der Einsamkeit“ entschieden. „Ein unbarmherziger, frustrierender und verstörender Roman“, bemerkte Schledt. Der irische Autor greift ein heikles Thema auf: Sexuellen Missbrauch in der Kirche. Blue Mango spielte anschließend Melodien aus Irland und mischte sie mit Klängen aus anderen Ländern.

Auf den Tischen wurden Teelichter in hübschen kleinen Laternen angezündet, die Besucher hüllten sich fester in ihre Jacken, erste Sterne leuchteten auf, ebenso wie die Lampionkette zwischen den Bäumen.

Dann traten die „Oberleserinnen“, wie Schledt sagte, ans Pult. Die evangelische Pfarrerin Karola Wehmeier, Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese und Petra Scheschonka vom Mediacampus wechselten sich ab, um von drei Frauenschicksalen – das der Inderin Smita, einer Unberührbaren; der Sizilianerin Giulia, Tochter eines Perückenfabrikanten, und der erfolgreichen kanadischen Anwältin Sarah, die an Krebs erkrankt – zu lesen. Der Roman „Der Zopf“ von Laetitia Colombani berührte.

Das Stück „Abschied“ von Blue Mango beendete den Abend. Anna Doepfner, Buchhändlerin von „Bergen erlesen“, vor wenigen Wochen mit dem Deutschen Buchhandlungspreis geehrt, hatte einen Büchertisch aufgebaut und alle Werke vorrätig. Uwe Hahner dankte den jungen Technikern Paul Hruschka und Rouven Malinowski, der Organisatorin Gaby Barth und ihrem Team.

Werner Schledt stellte abschließend fest: „In Bergen lässt sich’s gut lesen.“ Und vorlesen.

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