Waldbegehung mit Revierförster

Extreme Wetterlagen schwächen Bäume

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Aufschlussreiche Waldbegehung mit Revierförster Roman Brunner (rechts) und Peter Rodenfels vom Stadtforst.

Bergen-Enkheim (zko) – Die traditionelle zweistündige Waldbegehung des Ortsbeirats 16 mit Revierförster Roman Brunner und Peter Rodenfels, stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtforst im Grünflächenamt, war von vielen Interessierten besucht, denn das Wetter zeigte sich bereits von seiner frühlingshaften Seite.

Treffpunkt war am KGV Möllers Wäldchen und die beiden Forstbeamten kündigten an, dass sie „drei Waldbilder“ vorbereitet hätten, um der Öffentlichkeit zu erläutern, warum zeitnah größere Freiflächen durch Baumfällungen anstünden. Zunächst ging es zu einer mit Kiefern bewachsenen Fläche im Fechenheimer Wald auf der anderen Seite der Autobahn. Roman Brunner erläuterte vor Ort anschaulich, dass an dieser Stelle 70 Prozent des Bestandes der über 100-jährigen Kiefern absterben, was an der Braunfärbung der Nadeln unschwer zu erkennen sei. Durch den Starkregen im Jahr 2017 seien die Wurzeln stark geschädigt worden, die im Jahrhundertsommer 2018 mit Hitzerekorden und lang anhaltender Trockenheit nicht mehr in der Lage waren, an die Grundwasserreservoire zu gelangen. Die Kombination der beiden extremen Wetterlagen in aufeinanderfolgenden Jahren habe viele Bäume stark belastet. Zudem habe der bei Kiefern typische Pilz Sphaeropsis sapinea oder auch Diplodia pinea, der gesunden Bäumen dieser Gattung nichts anhaben könne, durch die Schwächung der Bäume die Oberhand gewonnen, erklärte Revierförster Brunner. Um den wirtschaftlichen Schaden durch Entwertung des Baumholzes zu minimieren, müssten die Bäume sehr zeitnah gefällt werden, denn der Pilz sorge für eine allmähliche Blaufärbung des Stammholzes.

Bei der zweiten Waldfläche handelte es sich um eine überwiegend mit 40-jährigen Douglasien bepflanzte Stelle im Enkheimer Wald. Auch dort konnten die Teilnehmer eine deutliche Braun- und Graugrünfärbung der Nadeln bemerken. An dieser Stelle ist der Gesamtbestand betroffen, 70 Prozent werden gefällt. Für diesen Schaden zeichnet ebenfalls der Pilz Sphaeropsis sapinea verantwortlich. Des Weiteren konnten Symptome des Befalls mit Douglasien-Gallmücken nachgewiesen werden. Brunner erläuterte, dass der Grund für die massive Schwächung des Baumbestands auch dort das Starkregenereignis im Sommer 2017 mit anschließender Überstauung in Kombination mit der ausgedehnten Trockenperiode im Sommer 2018 gewesen sei. Sollte das Holz verkauft werden, müssen die Bäume zeitnah gefällt werden, da die Blaufärbung des Holzes durch den Pilz zu rasch voranschreitender Entwertung führt.

Längst werden seitens des Stadtforsts Überlegungen angestellt, welche Baumarten am besten für eine Wiederaufforstung geeignet sind. Brunner legte dar, dass es nicht einfach sei, Arten zu eruieren, die so extremen Wetterbedingungen trotzen könnten. Auch seien Bestellungen derzeit schwierig, da viele Baumschulen bereits ausverkauft seien, sagte der Förster, denn es sähe ja nicht nur im Fechenheimer und Enkheimer Wald so aus.

Saatgut dürfe vom Stadtforst auch nicht von irgendwoher kommen, sondern werde aus streng auf Qualität geprüften Saatgutbeständen entnommen, da das genetisch gutes Material sei. Er gehe davon aus, dass eine Mischung aus relativ widerstandsfähigen Baumarten zur Wiederaufforstung genutzt würde. Nach den Zertifizierungsrichtlinien des Stadtforsts dürften jedoch nicht mehr als 20 Baumarten aus dem Ausland dabei sein. Die üblichen Nadelholzeinschläge zur Holzgewinnung würden aufgrund der groß angelegten Totholzentfernung für die nächste Zeit komplett gestoppt, betonte Brunner. Bruno Springer, beim Stadtforst zuständig für den Holzverkauf und bei der Begehung ebenfalls anwesend, bestätigte, dass der Preisverfall des Holzes durch Schädigung und übergroßes Angebot derzeit enorm sei und die Sägewerke stark ausgelastet seien.

An der letzten Stelle zeigte Roman Brunner sogenannte Pilzzungen an Buchen und demonstrierte, dass das Holz unter der Rinde schwarz verfärbt sei, was auf das Absterben des Baumes hinweise. Manche Bäume würden aufgrund des Naturschutzes trotzdem stehen bleiben, andere müssten aus Sicherheitsgründen gefällt werden, wenn sie an Wegen oder in Parks stünden. Sehr deutlich wurde bei der Begehung, dass regelmäßige Waldspaziergänger die Veränderungen deutlich sehen werden, die sich zunächst durch größere Freiflächen zeigen werden. Peter Rodenfels betonte, dass so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig gemacht würde. Bergen-Enkheims Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese bedankte sich bei den beiden Forstbeamten und merkte an, dass der Ortsbeirat durch die Begehung viel Gesprächsstoff erhielte.

Revierförster Roman Brunner appellierte zum Schluss der aufschlussreichen Begehung an die Besucher: „Gehen Sie mit offenen Augen durch den Wald, rufen Sie mich an, ich bin zu allen Diskussionen bereit.“ Roman Brunner ist in der Revierförsterei sechs in Fechenheim unter 0151-12070030 sowie per E-Mail an roman.brunner@stadt-frankfurt.de zu erreichen.

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