Rosi Jacob zu Gast bei den Landfrauen von Bergen-Enkheim

Auf der Couch mit Muhammad Ali

Quirlig und lebhaft wie eh und je: Rosi Jacob zu Gast bei den Bergen-Enkheimer Landfrauen. Foto: jf

Bergen-Enkheim (jf) – Schon vor Beginn der Veranstaltung der Bergen-Enkheimer Landfrauen war Rosi Jacob von den Jacob Sisters von Neugierigen umringt und blätterte in ihren Mappen. „Guck mal, das war in Las Vegas. Und da sind wir in Hongkong!“.

Sigrid Vetter, Erste Vorsitzende der Landfrauen, begrüßte die Damen im voll besetzten Clubraum 1 der Stadthalle Bergen. Zur Reihe „Vorstellung einer interessanten Frau aus der Region“ hatten die Landfrauen Rosi Jacob eingeladen. Die gab sich zunächst fast ein bisschen zurückhaltend: „So etwas mache ich zum ersten Mal.“ Doch schnell ist sie mitten in ihrer eigenen Geschichte, erzählt vom damals 1000-Seelen-Ort Schmannewitz. Der Zoologe Alfred Brehm begründete dort die Sommerfrische, also die Landlust der Städter im Sommer. Es ist der Geburtsort von Johanna, Rosi, Eva und Hannelore Jacob, er liegt in der Dahlener Heide zwischen Leipzig und Dresden.

„Mutti hat uns süß angezogen, dann sind wir zu Hochzeiten und Geburtstagen der Bauern gegangen und haben gesungen. Dafür gab es Kartoffeln, Milch und Quark. Das war ein gutes Zubrot in den 50er Jahren“, erinnerte sich die kleine blonde Frau mit den strahlenden Augen. Inzwischen ist sie 77.

Die vier Mädchen wurden zwischen 1939 und 1944 geboren, sie waren gern gesehen in Schmannewitz. Schließlich hörte der Leipziger Rundfunk von diesem Quartett. Rosi Jacob fiel zwischendurch ein Lied von Onkel Klaus und ein weiteres von der Lüneburger Heide ein, sie stimmte die Stücke kurz an. „Na ja, so viel Zeit haben wir nicht“, rief sie sich selbst zur Ordnung. Berichtete von zwei Bussen voller Urlauber, die im Ort eintrafen. Während die Erwachsenen Kaffee und Kuchen herbeischafften, sangen die Mädchen und trugen so zu guter Stimmung bei. Improvisieren war gefragt, eine gute Lehre für später.

„Johanna und ich durften in Frankfurt bei den ,Schnaken’ zum Karneval singen“, sprang Rosi Jacob in die Jahre nach 1958 – da siedelte die Familie in den Westen über, die Mädchen setzten ihr in Weimar begonnenes Musikstudium nun am Main fort. „Eine Pellkartoffel liebte einen Hering“ – noch heute kennt Rosi Jacob die sechs Strophen des Scherzliedes auswendig.

1961 traten die Geschwister Jacob erstmals in der Sendung „Toi, Toi, Toi“ im Fernsehen auf, zwei Jahre später folgte das Debüt im „Blauen Bock“. „Lia Wöhr übte mit uns Hochdeutsch“, bemerkte Rosi Jacob. Dann mussten sich die Schwestern entscheiden: Wollten sie weiter in der Gaststätte des Vaters arbeiten oder als Gesangsquartett in die weite Welt? Erstes internationales Ziel war Hongkong. Eine Anfrage aus Las Vegas folgte, die zu einem zweijährigen Arbeitsaufenthalt führte.

Die vier Schwestern haben viel gesehen, sangen in 16 Sprachen. Die Pudel, später unverzichtbare Accessoires, hatten sie geschenkt bekommen. „Nach Amerika durften wir sie aber nicht mitnehmen“, erklärte Rosi Jacob. Sie war inzwischen aufgestanden, suchte ein bestimmtes Bild, fand es: Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme mit Muhammad Ali, alle befinden sich auf ziemlich gleicher Höhe, weil die Mädels auf der Couch stehen und Ali auf dem Boden. Sie haben Louis Armstrong, Sammy Davis jr., Duke Ellington und Ray Conniff getroffen. Nun leben nur noch Rosi, die drei Söhne hat, und Eva, Mutter von zwei Kindern. Man spürte, dass die beiden anderen Schwestern fehlen.

Rosi Jacob sang zum Schluss die größten Hits, dabei fühlte sie sich sichtlich wohl und schien die Zeit zu vergessen. Sie versprach, wiederzukommen. Am 26. Mai zum Altstadtfest.

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