Kickboxing-Team trainiert Kita-Kinder in Sachen Selbstbehauptung

Für brenzlige Situationen gut vorbereitet

Selbstbewusst: Cosmo Fritsch weiß genau, wie er sich aus dem Griff seines Kickbox-Trainers Guido Rödel befreit. Foto: sh

Bergen-Enkheim/Seckbach (sh) – Guido Rödel bewegt sich bedrohlich auf den fünf Jahre alten Cosmo Fritsch zu.

Der hebt abwehrend die Hände vor Gesicht und Hals und ruft laut: „Stop! Lassen Sie mich in Ruhe!“ „Sehr gut“, lobt Rödel, denn das Rollenspiel ist Teil des Selbstbehauptungstrainings, das die Kickbox-Trainer Guido Rödel und Yvonne Thorhauer unter anderem in der Kita der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Enkheim anbieten. Die Kinder lernen, brenzlige Situationen zu meistern und sind mit viel Enthusiasmus und Aufmerksamkeit bei der Sache.

Guido Rödel hat den siebten Dan im Kickboxen, ist Bundesjugendtrainer und 19-facher Weltmeister, Partnerin Yvonne Thorhauer hat den dritten Dan im Kickboxen und ist Welt-Kampfrichterin in dieser Sportart. In ihrer Schule „Kickboxing-Team Meister Splinter“ geben sie im Fit & Fun Sportsclub in der Victor-Slotosch-Straße in Seckbach ihr Wissen weiter, unterrichten aber auch in Kitas und Schulen – so wie in der Kita der Mariengemeinde in Seckbach und der Heilig-Kreuz-Kita. Dort richten sich die Kurse an jene Kinder, die in die Schule kommen. „Im Kindergarten sind sie die Großen, in der Schule sind sie dann plötzlich die Kleinsten“, sagt Yvonne Thorhauer. Die Kinder lernen in Rollenspielen, wie sie damit umgehen, wenn sie geärgert werden oder ihnen jemand etwas wegnehmen will. Sie sollen dann deeskalierend agieren. „Eine klare Abwehrhaltung einnehmen, laut sein, um Aufmerksamkeit zu erregen und nach einem Lehrer schauen“, führt Thorhauer aus. Tabu ist das Anwenden von Kraftausdrücken. Und wenn es dazu kommt, dass sie der Angreifer am Arm packen sollte, lernen die Kita-Kinder, wie sie sich mit einer Drehbewegung befreien können, ohne sich oder dem anderen wehzutun. Auch dem Griff eines Erwachsenen können sich die Kinder so entziehen. „Es gibt den Eltern ein gutes Gefühl, wenn ihre Kinder sich zu helfen wissen, sobald sie alleine unterwegs sind“, sagt Thorhauer.

Ein Kurs dauert ein halbes Jahr. Manche trainieren danach weiter, weil es ihnen Spaß macht und weil sie stolz darauf sind, Kickboxen zu lernen – eine Sportart, die Respekt verschafft.

Mancher steht dem Kickboxen allerdings skeptisch gegenüber und empfindet diese Sportart als gewaltverherrlichend. Doch mit Straßenprügelei habe das Kickboxen nichts zu tun, stellt Thorhauer klar. „Man lernt, sich im Notfall verteidigen zu können, anstatt vor Angst zu erstarren. Ältere Kinder üben dann auch, Schläge und Tritte abzublocken“, sagt Thorhauer. Klar, gehöre auch das Miteinander-Kämpfen dazu, aber es findet kontrolliert statt. „Es ist besser, die Kinder und Jugendlichen kämpfen im Training und im Wettkampf, anstatt auf dem Schulhof. Gerade Kinder in der Pubertät können sich beim Kickboxen auspowern. Das passiert nicht, wenn sie vorm Computer sitzen. Durch den Sport sind sie viel ausgeglichener“, erklärt die Trainerin. In Wettkämpfen und Meisterschaften haben die Kinder und Jugendlichen schließlich Erfolgserlebnisse, lernen aber auch, mit Niederlagen umzugehen. Ein ganz wichtiges Ritual ist: Dem Gegner wird immer die Hand geschüttelt.

Zum Schluss der Unterrichtseinheit in der Heilig-Kreuz-Kita demonstriert Cosmo noch ganz selbstbewusst, wie er sich von Guido Rödel befreit, der ihn am Arm festhalten will. Rödel hat keine Chance. Der Fünfjährige hat im Training sehr gut aufgepasst.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare