Gesellschaftshaus wird für 500 Millionen Euro zum Theater

Zoo: Theater für Kinder kommt

Freuen sich auf das neue Kinder- und Jugendtheater (von links): Sebastian Popp, Mitglied des Lenkungskreises, Renate Wolter-Brandecker, Mitglied des Lenkungskreises, Kulturdezernentin Ina Hartwig und Nils Kößler, stellvertretend für das Lenkungskreis-Mitglied und Thomas Dürbeck vor dem Zoogesellschaftshaus. Foto: Rössler/p

Ostend (red) – Frankfurt erhält ein Kinder- und Jugendtheater im Zoogesellschaftshaus. Das hat der Magistrat nun beschlossen. „Das ist ein Meilenstein für Frankfurts kulturelle Zukunft.

Damit löst die Römerkoalition ein zentrales Versprechen ein: Ein lang gehegter Wunsch für die kulturelle Bildung der kommenden Generationen unserer Stadt wird Wirklichkeit“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Die Aufnahme in den Koalitionsvertrag und der anschließende Prüfauftrag der Stadtverordnetenversammlung, das ohnehin sanierungsbedürftige Zoogesellschaftshaus als Ort für das Theater zu untersuchen, führten zur Entscheidung des Magistrats. „Den Bedarf eines eigenständigen Kinder- und Jugendtheaters formulierten seit vielen Jahren große Teile der kulturellen Stadtöffentlichkeit und der freien Szene. Das neue Theater soll ein offenes Haus für alle Kinder und Jugendliche werden, in dem zeitgemäße und zeitgenössische darstellende Kunst erlebbar wird“, sagt Ina Hartwig. Die abschließende Entscheidung des Stadtparlaments über die Vorlage des Magistrats wird in den nächsten Monaten erwartet.

Das Kinder- und Jugendtheater ist nicht nur Teil des Koalitionsvertrages der Römerkoalition, sondern auch ein erster Schritt zur Weiterentwicklung des Zoogeländes insgesamt. Kulturdezernentin Hartwig hatte im Frühjahr ihre Gesamtvision zur Weiterentwicklung des Areals skizziert, die neben der Erneuerung der Zooanlagen auch den Vorschlag für ein neues Zentrum für den globalen Artenschutz am Osteingang des Zoos beinhaltet.

Die bisherigen Berechnungen gehen davon aus, dass die ohnehin dringend notwendige Sanierung des Zoogesellschaftshauses in jedem Fall 35 bis 38 Millionen Euro kosten würde. Der Einbau des Kinder- und Jugendtheaters schlägt zusätzlich mit 13 bis 14 Millionen Euro zu Buche. Insgesamt könnten also Baukosten von 48 bis 52 Millionen Euro anfallen.

Entscheidend für das künstlerische Profil des Hauses ist die Möglichkeit, eigene Produktionen zu erarbeiten und zu zeigen. Das gilt auch für Koproduktionen und Gastspiele mit anderen Theatern, etwa mit der lokalen freien Szene und auf nationaler und internationaler Ebene. Es sollen Angebote in den darstellenden Künsten möglich sein, die sich jenseits von gesprochener Sprache bewegen. Musikalisch geprägtes Theater, Tanz und Performance für Kinder und Jugendliche sollen dort gefördert werden. Anforderungen an das Haus und die vorhandenen Bühnen sind also vor allem eine hohe Multifunktionalität. Es sind Spielflächen vorgesehen, die verschiedene Raum- und Bühnensituationen zulassen und Zugangsmöglichkeiten für alle bieten. Es soll Holzböden geben, die Tanz ermöglichen, eine angemessene technische Ausstattung, sinnvolle Andienung der Bühnen für die technische Einrichtung und Wegeführungen etwa zu Maske- und Künstlergarderoben. Unterschiedliche Publikumssituationen werden durch mobile Zuschauerpodesterien ermöglicht. Im Sinne weitreichender Partizipation und Interaktion sind ferner vermittelnde Angebote in der Theaterpädagogik sowie Angebote in Spielclubs wichtig. Dafür werden Workshopräume, Probemöglichkeiten und Bühnenflächen zur Präsentation benötigt.

Aus diesen grundsätzlichen Vorgaben wurden Raumbedarfe abgeleitet und auf das Zoogesellschaftshaus übertragen. Dabei fand der Wunsch der Denkmalpflege Berücksichtigung, die Grundstruktur des großen Saals zu erhalten. Dieser wird in zwei einzeln bespielbare Bühnenräume geteilt, ein größerer mit bis zu 350 Zuschauern und ein kleinerer mit bis zu 160 Zuschauern, die aber durch flexible Wände auch zusammen gelegt werden können zu einem großen Saal für bis zu 500 Personen. Ein weiterer im Gebäude befindlicher Bühnenraum wird der Fritz-Rémond-Saal im Obergeschoss mit bis zu 120 Plätzen sein. Für Probenarbeit und partizipatorische Formen steht der Balkonsaal zur Verfügung, es wird zwei Workshopräume im Untergeschoss geben. Werkstatträume, Büros und Räume für den künstlerischen und technischen Betrieb sowie Lagerflächen sind eingeplant.

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