Gemeinsames Picknick von Geflüchteten und Integrationslotsen im Günthersburgpark

„Wir sind Freundinnen geworden“

Beate Kupper-Reuhl und Azeb Girma Molla mit Sohn beim Picknick.F:Faure

Nordend (jf) – Picknickdecken sind ausgebreitet, darauf stapeln sich allerlei Köstlichkeiten. Die Menschen haben es sich auf der Wiese bequem gemacht, Kinder laufen herum, Gemurmel ist zu hören, es wird gelacht.

Etwa 40 Männer, Frauen und Kinder haben sich zu diesem späten Frühstück im Günthersburgpark eingefunden. Aufgerufen zu diesem Lunch im Freien hatte der Malteser Hilfsdienst. Seit Ende 2016 gibt es bei den Maltesern die Tandems, bei denen sich Ehrenamtliche um Geflüchtete kümmern. „Zeitlich ist dieses Tandem, das auf Gegenseitigkeit beruht, nicht begrenzt. Es besteht so lange, wie es notwendig ist“, erläutert Tanja Lennert, Koordinatorin des Projekts.

Die Frankfurterin Beate Kupper-Reuhl und die Äthiopierin Azeb Girma Molla bilden eines der rund 90 Tandems. Beide haben je zwei Kinder, die Frauen lernten sich 2016 kennen. Girma Molla flüchtete 2004 aus dem Sudan, wo sie mit Mutter und Bruder untergekommen war, nach Italien. Da war sie 21 Jahre alt. Ihre beiden Söhne, inzwischen sechs und acht Jahre, wurden in Italien geboren. „Wir hatten dort nichts, keine Unterstützung“, sagt die Mutter. 2015 kam sie mit den Kindern nach Deutschland. „Als wir uns kennenlernten, war das für uns beide eine neue, spannende Situation“, erinnert sich Beate Kupper-Reuhl. Am Anfang unterhielten sie sich auf Englisch, inzwischen ist Azeb Girma Molla fit in der für sie dritten Fremdsprache, es wird nur noch Deutsch gesprochen. Sie trafen sich im Café, gingen in Bibliotheken, erledigten gemeinsam Behördengänge. „Beate hat mir viel geholfen“, sagt Girma Molla und strahlt. „Wir schreiben uns Whatsapps, sehen uns einmal pro Woche. Wenn es aus irgendeinem Grund nicht klappt, fehlt uns etwas“, ergänzt Kupper-Reuhl. Die Fremdsprachensekretärin kann in ihrer Kanzlei mit Girma Molla für den Hauptschulabschluss üben, der fast geschafft ist. Ein Erfolg. Über die Crespo Foundation erhielt Girma Molla ein Bildungsstipendium für Migrantinnen. „Wir haben viel Glück gehabt, Azeb hat einen Kita-Platz bekommen. Aber eine kleine Wohnung wäre schön“, bemerkte die Integrationslotsin. Girma Molla wohnt in einer Gemeinschaftsunterkunft in einem Zimmer mit einer kleinen Küche – wenig Platz für drei Menschen.

Es gab jedoch nicht nur Freundlichkeit, beide Frauen hatten auch mit Ressentiments Fremden gegenüber zu kämpfen. Manchmal war es wichtig, dass Kupper-Reuhl die junge Frau begleitete, ihr die Angst nahm.

„Wir hätten gerne noch mehr Ehrenamtliche, die den Geflüchteten partnerschaftlich zur Seite stehen. Freiwillige sollten über einen längeren Zeitraum ein bis zwei Stunden pro Woche aufbringen. Sie werden vorher geschult“, erklärt Florian Dernbach, Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes in Frankfurt.

Nach dem Abschluss will die Azeb Girma Molla eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen, die Chancen stehen gut.

„Wir bleiben Freundinnen ...“, sagt Kupper-Reuhl, „Für immer – wenn du das willst“, fügt Girma Molla hinzu.

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