„An Kubi kommt keiner mehr vorbei“

Verein für Kultur und Bildung präsentiert Buch zum 25-jährigen Jubiläum

Hilime Arslaner-Gölbasi (von links), Nadja Buoyardane und Arif Arslaner mit dem Buch „Moment mal“ . Foto: Faure

Ostend (jf) – Arif Arslaner kam 1979 mit 16 Jahren aus der Türkei nach Deutschland, lernte Schlosser bei Siemens, damals noch in der Hanauer Landstraße. Er besuchte eine Fachoberschule und anschließend die Uni, schloss als Diplompädagoge ab.

„Ich weiß, wie wichtig Bildung ist“, sagte Arslaner. 1993 gründete er den Verein für Kultur und Bildung (Kubi). 2018 musste der Verein, den Arif Arslaner als Geschäftsführer leitet, seinen Sitz von der Burgstraße in die Hanauer Landstraße verlegen. Inzwischen hat Kubi rund 200 Mitarbeiter aus 16 Nationen in etwa 40 Projekten. „1993 gab es in Deutschland keinen ähnlichen Verein, aber viel Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus – ähnlich wie heute“, sagte der Geschäftsführer und fügte hinzu: „Unsere Arbeit ist ohne Respekt füreinander nicht möglich. “ In mehr als 25 erfolgreichen Jahren hat Kubi in vielen Bereichen gewirkt, richtete Schülerhilfen ein, bereitet auf den Beruf vor, begleitet die Ausbildung, fördert migrantische Unternehmen. Das alles sollte in einem Buch anlässlich des 25-jährigen Vereinsjubiläums erläutert werden. „Es hat etwas länger gedauert, weil für das Buch Zuarbeiten aus zehn Bereichen notwendig waren“, erklärte Arslaner die Verspätung. Doch nun liegt das über 100 Seiten starke „Moment mal“ vor. Der Titel bedeutet Innehalten, noch einmal nachdenken, eine Lösung finden.

Arslaner beobachtete bei Besuchen in Schulen, was im Buch so beschrieben wird: „Viele Jugendliche aus ausländischen Familien schienen sich im deutschen Bildungssystem nicht zurechtzufinden. Doch woran lag das? Waren sie weniger intelligent? Waren sie faul? War dies kulturell bedingt? Nein. Beim näheren Hinsehen erkannte er: Sie starteten unter erschwerten Bedingungen. Würde man das deutsche Schulsystem mit einem Fußballfeld vergleichen, so spielten diese Kinder bergauf.“

1998 richtete Kubi in Kooperation mit dem Sozialen Dienst in Bornheim das Projekt „Präventiv orientierte Sozialarbeit in der Schule“ an der Glauburgschule ein. Gegenwärtig beteiligen sich sechs Schulen in der Trägerschaft von Kubi und weitere 34 mit anderen Trägern an dem Projekt. Es ist eins von sechs Schulprojekten. Darüber hinaus gibt es Hilfen zur Erziehung. „Wir müssen die Erziehungskompetenz der Eltern stärken, die Eltern sollen Werte vermitteln“, erläuterte Arslaner.

Seine Schwester Hilime Arslaner-Gölbasi, Diplom-Volkswirtin und ehemalige Geschäftsführerin von Kubi, seit 2008 selbstständige Trainerin und Beraterin und seit 2011 Stadtverordnete, äußerte: „Kubi ist wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft.“ Das mag pathetisch klingen, stimmt aber. Denn Kubi kümmert sich an der Basis um Jugendliche, zu denen andere Organisationen kaum Kontakt finden. „Es zählt für uns nicht, wie oft jemand hinfällt, sondern wie oft er wieder aufsteht und weitermacht“, verdeutlichte die Beraterin. „Inzwischen hat unser Verein die Größe eines mittelständischen Unternehmens und ist in der Stadtgesellschaft präsent. An Kubi kommt keiner vorbei, er ist ein Spiegel der Stadt Frankfurt und öffnet Jugendlichen die Türen.“

Nadja Buoryardane verfasste die Texte für das Buch. „Ich habe mich über die Anfrage gefreut, das Thema hat mich gereizt“, verriet die in Deutschland geborene Kulturanthropologin mit marokkanischem und spanischem Familienhintergrund.

Einen wichtigen Fakt fügte Arif Arslaner am Schluss hinzu: „Es geht uns bei Chancengleichheit und Teilhabe nicht nur um Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, sondern auch um Benachteiligte aus deutschen Familien.“ Genau deshalb sei Bildung so wichtig für eine gelingende Zukunft.

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