„Tunnel ist eine Mogelpackung“

Senioren laden ins Hochhaus ein und beklagen viel Verkehr

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Hanne-Lore Letsch zeigt auf die Baustelle des Riederwaldtunnels.

Riederwald (jf) – Der Blick aus der achten Etage erlaubt eine weite Sicht bis hinüber zur Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU). Ganz hinten auf der A 661 schlängeln sich die Autos langsam in beiden Richtungen gen Stadt oder hinaus in den Taunus.

Schneller Verkehr sieht anders aus. Dazwischen, auf dem Gelände des zu errichtenden Tunnels, türmen sich Erdmassen, Bagger fahren hin und her. Unten auf der Straße Am Erlenbruch tut sich indessen gar nichts. Eine Mieterin informiert: „Sonst fahren die Autos im Schritttempo und dicht an dicht. Doch jetzt steht alles, weil ein Lkw kaputt ist und die schmale Fahrbahn blockiert.“ An diesem Tag haben die Bewohner der Seniorenimmobilie zu einem Pressetermin geladen. Ihr Anliegen: Es wird die Einhausung der geplanten Verknüpfung der Autobahnen A 66 und A 661 gefordert, „weil beide Autobahnen nahe am Stadtteil vorbeiführen“, wie es im Schreiben heißt. Weiter: „Die Gelegenheit eines Lückenschlusses an der Galerie Seckbach im März dieses Jahres wurde versäumt. Schutzmaßnahmen, um den Folgen des Autobahnbaus zu begegnen, sind nur an der geplanten Ernst-May-Siedlung vorgesehen. Das ist gut und richtig. Doch auch im Stadtteil Riederwald muss ‚Stadtreparatur’ sein.“

Der Riederwald hat die schlechteste Luft in ganz Frankfurt. „Die Stickstoffdioxidwerte liegen da über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter“, sagte Rainer Frey, Sprecher der Bürgerinitiative Riederwald. Der Grenzwert liege bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. „Das merkt man direkt, wenn man in den unteren Etagen wohnt: Es stinkt“, sagte eine Bewohnerin.

Der Riederwaldtunnel soll Entlastung bringen. Doch das sehen BI und Senioren anders: „Im Tunnel wird mit einem Verkehrsaufkommen von täglich 124.600 Fahrzeugen gerechnet, davon 9.000 Lkw.“ Im sogenannten Trog, einem etwa 350 Meter langen Straßenabschnitt zwischen Tunnelende und Anschluss an das Dreieck der A 661, fahren die Autos ungeschützt. „Sehen Sie, das ist vom Tunnel bis dorthin“, sagt und zeigt Hanne-Lore Letsch vom Balkon aus. Seit 15 Jahren wohnt sie in der Schultze-Delitzsch-Straße. Die Seniorenwohnanlage befindet sich nur 80 Meter weit vom Tunnelportal und 300 Meter vom Dreieck Erlenbruch entfernt. Ähnliche Belastungen gibt es für die Kinder der Pestalozzischule und die Anwohner im Theodor-Haubach-Weg. „Deshalb ist der Tunnel eine Mogelpackung“, kritisiert Letsch. Die BI fordert eine Einhausung der A 66 vom westlichen Tunnelportal bis zum Dreieck Erlenbruch sowie gleiches für die A 661 am Stadtteil vorbei bis zur Galerie in Seckbach. „Uns fehlt bei allem die Präsenz der Stadt im Riederwald“, sagt Rainer Frey. Dieselfahrverbote und eine Pförtnerampel halte er nicht für gute Lösungen. Eine Senkung der Fahrpreise zwischen Hanau und Frankfurt im öffentlichen Nahverkehr dagegen schon.

Nach Informationen der BI gibt es sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, die gegen den Bau des Riederwaldtunnels klagen. Da ist längst noch nicht das letzte Wort gesprochen.

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