Kinder und Jugendliche zu Gast bei den jungen Rollstuhlsportlern der BG Unfallklinik

Tanzen und spielen trotz Handicaps

Jean-Marc Clément (von links), Andrea Schlick, Sophie mit Bruder Lionel, Andrea Naumann-Clément und Max aus Neureut-Nord. Foto: Faure

Seckbach (jf) – Pause! An der Doppeltür der Turnhalle in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) Frankfurt bildete sich ein Knäuel aus Rollstühlen. Die 55 bis 65 Zentimeter breiten Gefährte brauchten eine Weile, bis sich alles ein bisschen entzerrt hatte.

Was bereits bei Kindern in der Schule zu Staus führt, wenn alle gleichzeitig zum Pausenbeginn aus der Klasse drängen, wird mit Rollstühlen noch komplizierter.

Dabei haben die Gäste aus Neureut-Nord bei Karlsruhe schon viel gelernt. Seit 2007 gibt es diesen alle zwei Jahre stattfindenden Austausch zwischen den Fußgänger-Kindern der evangelischen Kirchengemeinde Neureut-Nord und den Rolli-Kids der BGU. „Wir haben uns auf den Besuch in Frankfurt vorbereitet. Sponsoren liehen uns Rollstühle und Orthesen. Die Kinder versuchten dann, einen Tisch zu decken und merkten, wie schwierig das ist“, erklärte Torsten Guldenschuh, einer der fünf Betreuer aus Baden-Württemberg. Früh um sieben begann dieser Tag, bei dem Inklusion im Fokus steht. Gegen neun Uhr besuchte die Gruppe den Frankfurter Zoo. „Das war gar nicht so einfach, die Wege im Bogori-Wald sind nicht sehr breit, die Wege auf dem Gelände nicht immer eben“, bemerkte ein Mädchen. Die 13 Kinder aus Neureut-Nord sind zwischen zwei und elf Jahre alt, in der neunköpfigen Gruppe aus Frankfurt sind Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 27 Jahren. „Inzwischen kommen die Übungsleiter aus den eigenen Reihen“, erklärte Andrea Schlicker stolz. Seit 25 Jahren gehört sie dem 1967 gegründeten Rollstuhl-Sport-Club (RSC) Frankfurt an, seit rund 20 Jahren betreut sie die Kinder und Jugendlichen.

Um 13 Uhr hatte die BGU zum Mittagessen eingeladen. Die Gäste im ungewohnten Rollstuhl merkten, dass es nicht so leicht ist, das volle Tablett bis zum Tisch zu bugsieren. Die Rolli-Kids halfen und gaben Tipps. Von 14 Uhr bis 17 Uhr wurde an diesem Nachmittag gemeinsam gespielt. „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?“, fragte Lars, der Übungsleiter im Rollstuhl. Wer „gefangen“ wurde, musste stehen bleiben. Anschließend stand Fußball auf dem Programm – mit einem großen orangenen Gymnastikball. Gerollt wurde der er mit den Händen, er durfte nicht geworfen werden. Manchmal verkeilte er sich zwischen den Rollstühlen. Eine Übungsleiterin half bei Bedarf.

Schließlich kamen die amtierenden Deutschen Meister im Rollstuhltanz Andrea Naumann-Clément und Jean-Marc Clément und übten mit den Rolli-Kids. Seit 15 Jahren tanzen die beiden zusammen, wurden mehrfach Deutsche Meister. Und sie motivieren andere, die im Rollstuhl sitzen. Denn trotz dieses Handicaps ist vieles möglich – das beweist der RSC mit Sportarten wie Tanzen, Tischtennis, Bogenschießen, Basketball, Skaten, Rad fahren, Schwimmen und Curling. Die richtige Bewegung sei wichtig, auch in der Rehabilitation.

„Die BGU unterstützt uns sehr, wir können die Halle nutzen, haben gemeinsam gegessen, Pausensnacks gibt es auch“, sagte Andrea Schlicker.

Langsam wird es Zeit für die Neureuter, wieder zurück nach Hause zu fahren. Für sie ist es ein Zwölf-Stunden-Tag, der vielleicht anstrengend war, aber unglaublich viele neue Erfahrungen und Eindrücke gebracht hat. Und Respekt denen gegenüber, die es aufgrund ihres Rollstuhls nicht ganz so einfach im täglichen Leben haben.

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