In der Johanniskirche

Slowenien gestaltet Weltgebetstag der Frauen

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Gemeinsam haben die Frauen die ökumenische Liturgie lebendig gestaltet.

Bornheim (jf) – Der Tisch ist gedeckt vor dem prächtigen Hochaltar der Johanniskirche. Über die Tischmitte verläuft ein weiß-blau-rotes Band – es sind die Landesfarben Sloweniens.

Frauen aus dieser seit 1991 unabhängigen und seit 2004 zur EU gehörenden Republik haben den Gottesdienst für den diesjährigen Weltgebetstag gestaltet. Er wird in rund 100 Ländern von Christen gefeiert. „Wir haben im November des vergangenen Jahres mit den Vorbereitungen begonnen“, sagt Ulla Ulke. Zusammen mit Brigitte Habermehl und Pfarrerin Susanne Habermann und einem insgesamt zehnköpfigen Frauenteam wurde der ökumenische Gottesdienst gestaltet. Zu Beginn der Feier bringen alle Frauen und ein Junge Gaben mit: Potica, den gewickelten Nusskuchen, eine Bibel, Salz, Brot, Weintrauben, Rosmarin, Honig, Blumen. „Dober vecer! (Guten Abend!)“, begrüßt eine Frau die Gäste. Sie erklärt kurz etwas über das Land zwischen Österreich, Ungarn, Kroatien und Italien, in dem zwei Millionen Einwohner leben, davon 280.000 in der Hauptstadt Ljubljana. Das Land ist etwas kleiner als Hessen. Auf der Leinwand sind Fotos von schönen Landschaften zu sehen. Mehr als 35 Prozent der Staatsfläche stehen unter Naturschutz. Slowenien hat mit dem Höhlensystem von Postojna die weltweit zweitgrößten für Touristen erschlossenen Tropfsteinhöhlen.

Das Bild für den Weltgebetstag schuf die Künstlerin Rezka Arnu. Es zeigt am oberen Rand sich bewegende Frauen, die slowenische Trachten tragen. Auf dem Tisch darunter liegt in der Mitte ein Stück Potica, dazu ein Lebkuchenherz mit einer Nelke. Weintrauben sind rechts und links davon angeordnet. Am unteren Rand – gleichsam auch sinnbildlich für den Rand der Gesellschaft – sind ein Kind auf dem Arm einer geflüchteten Mutter, ein blindes Mädchen, ein tauber Junge und ein spastisch gelähmtes Mädchen zu sehen: Sie alle sind herzlich eingeladen, zum Festmahl zu kommen.

Aufwühlende Lebensgeschichten

Fünf Frauen nehmen an der Tafel Platz und berichten von ihren Schicksalen, vom Auswandern und Wiederkommen, von Schwangerschaft, Alleinerziehung und Studium, von Hoffnungen und trotz gesetzlicher Gleichstellung noch immer doppelter Last für Frauen. Sie erzählen von Alkoholmissbrauch und Gewalt, aber auch von einem von den Nachbarn akzeptierten Roma-Dorf. Nach dem unkonventionellen Fest wird aufgeräumt; statt wie geplant Honoratioren zu Tisch zu bitten, entschied sich der Einladende nach den Absagen der „feinen Leute“ für eine Feier mit denen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Was war das für ein schöner Abend geworden!

Die Kollekte des Weltgebetstages kommt in diesem Jahr der Bildungsarbeit der Menschenrechtsorganisation Fundación Nydia Erika Bautista (FNEB) in Kolumbien zugute. Nach dem Gottesdienst, der musikalisch vom Organisten Dominik Hambel begleitet wurde, gehen alle gemeinsam hinüber ins Haus der evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt-Bornheim. Dort ist eine weitere Tafel gedeckt; mit Hühnergulasch und Bohnensuppe, Quarkspeise und Obstsalat, Buchweizen mit Champignons, Hackfleisch-Gemüse-Strudel und Brot.

Die Frauen aus der evangelischen und der katholischen Gemeinde haben es verstanden, die Liturgie lebendig und berührend zu gestalten. Ein gelungener Weltgebetstag.

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