Schüler der Hans-Böckler-Schule stellen in Seckbach eigenen Apfelsaft her

Selbstgepresster vom Heiligenstock

Barbara Clemenz zeigt den Schülern mit viel Geduld die einzelnen Vorgänge des Pressens. Foto: Mohr

Seckbach (zmo) – Selbstgepresster Apfelsaft schmeckt immer noch am besten. Dieser Meinung waren auch die Schüler der Frankfurter Hans-Böckler-Schule. Fast 20 von ihnen, vorwiegend Flüchtlinge, kamen zum Auftakt der Keltersaison auf die Streuobstwiesen am Heiligenstock.

„Fast alle, die hier mitmachen, sind zwischen 16 bis 18 Jahre alt und absolvieren eine einjährige Berufsvorbereitung. Dabei sollen die Jugendlichen in erster Linie ihre Deutschkenntnisse verbessern. Das soll ihnen den Einstieg in weitere Bildungswege ermöglichen“, sagt Wasa Hansen, Lehrer für Deutsch sowie Politik und Wirtschaft.

Neben der Sprache werden sie sich aber auch mit der deutschen Kultur, ihrer Lebensumgebung und der ihrer Mitschüler beschäftigen. Politik, Sport und Ausflüge stehen zusätzlich auf dem Stundenplan und machen den Unterricht abwechslungsreicher und nachhaltiger.

Ein wichtiger Lernabschnitt erfolgte auf den stadteigenen Streuobstwiesen am Heiligenstock: Barbara Clemenz von der Organisation „Umweltlernen in Frankfurt“ begleitete die Jugendlichen. Sie erklärte ihnen, wie klimafreundlicher Apfelsaft direkt vom Baum über die Presse hergestellt wird. Zwei Stunden pflückten und sammelten die Schüler Äpfel und bekamen die Sortenvielfalt erklärt. Die Äpfel wurden anschließend gewaschen, zerkleinert, gehäckselt und kamen dann in die Presse. Fertig war der frisch gepresste Apfelsaft, ganz ohne Zusätze. Für jeden Frankfurter bedeutet der Süße einen fast alltäglichen Genuss, viele von den Jugendlichen dagegen haben ihn zum ersten Mal getrunken.

Barbara Clemenz sieht in dieser Aktion weitaus mehr, als nur einen Tag auf der Streuobstwiese: „Viele der Jugendlichen erzählen zu Hause, wie sie klimafreundlichen Apfelsaft selbst gekeltert haben. Vielleicht können sie ihre Familien überzeugen, lieber regionalen Apfel-Direktsaft zu trinken oder Bio-Äpfel im Hofladen zu kaufen“, hofft die Projektleiterin der Organisation auf die Nachhaltigkeit ihrer Aktion.

Erklärt wurde den Jugendlichen aber auch, warum die Erträge der Ernten häufig sehr unterschiedlich ausfallen. Gab es noch vor einigen Jahren einen Überfluss an Äpfeln, so waren es im vergangenen und in diesem Jahr deutlich weniger. Neben der großen Trockenheit, hatten es auch Schädlinge wie Apfelwickler oder die Gespinstmotten auf das Obst abgesehen. Für die Jugendlichen der Hans-Böckler-Schule reichten die gesammelten Äpfel aber erst einmal aus, die sie in Handarbeit verarbeiteten und genießen konnten.

Für Wasa Hansen bedeuten die Besuche auf den Streuobstwiesen „Lernen mit allen Sinnen“. „Die unmittelbare Naturbegegnung außerhalb der Schule ist den Schülern besonders wichtig. Es erweckt in ihnen das Interesse an der Natur und regt sie an, über klimafreundlichen Ernährungsstil nachzudenken“, sagte der Lehrer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare