Gemeinsame Visionen in Farbe

„Utopische Kapitäne“ malen ihre Vorstellungen von der Welt

Fadime (links) und Sema erklären Techniken und Material. Foto: Faure

Riederwald (jf) – Ein U aus Tischen schließt sich an die Bänke im Eck vor Saal und Kirche der Philippus-Gemeinde an.

Von Leinwänden über Kreide, Guache-Farben in Weiß, Schwarz, Rot, Blau, Gelb und Lila, Filz, Alu-Folie, Papier, Scheren, Buntstifte und Pinsel auf der einen Seite über bereits zum Schutz vor Farbe mit Zeitungen bedeckte Tische bis zur „Verpflegungsecke“ mit Säften, Börek, Brot, Paprika, Gurken und verschiedenen Dips zieht sich das U. Immer mehr Frauen, Männer und Kinder finden sich ein.

Zur Malaktion in den „Anliegerhafen“ in der Raiffeisenstraße 70 haben die „Utopischen Kapitäne“ eingeladen, die es seit April dieses Jahres im Riederwald gibt. Sie handeln „im Auftrag von Wohlbefinden und Glück“, wie es auf der Website heißt. „Wir wollen weniger Stress im Riederwald“, sagt Claus, einer der Mitinitiatoren. Stress gibt es, wenn Flugzeuge über den Riederwald donnern. Wenn der Wald vermüllt ist. Wenn der Tunnel gebaut wird. „Und wir haben die Kinder im Blick, wollen gemeinsam mit ihnen das Leben gestalten“, sagt Claus. Sema gehört ebenfalls dazu: „Man soll sich angenommen fühlen, Akzeptanz und Toleranz sind uns wichtig“, sagt sie. Die Gruppe, die aus rund 30 Kapitänen besteht – Frauen und Männer – möchte Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen und diese Werte an die nächste Generation weitervermitteln. „Es geht auch um Musik, Bewegung und Kreativität“, ergänzt Sema. Es gebe viele Initiativen im Riederwald, man sei gut miteinander vernetzt. „Wir haben zusammen im April die rollbaren Hochbeete angelegt“, sagt Fadime. Zwei große Big Bags mit Erde am Rand des Platzes sind übrig geblieben. „Da wird weiter gebaut, dort hinten gibt es auch Holz“, informiert Andrea und zeigt auf die Wand am Haus. Jeden Monat soll es eine Aktion geben. Im August steht beispielsweise am 24. die Fledermausexpedition zur Vogelwarte Fechenheim auf dem Programm.

Ein Schiff, gelenkt von Kapitänen. Ohne Hierarchie. „Wir sind alle gleichwertig. Wo das Schiff hinfährt, hängt vom Wind ab, der von den einzelnen Kapitänen kommt“, erläutert Arno. Ein schönes Logo hat die Gruppe; eine entschlossene Kapitänin mit langen, wehenden roten Haaren, Augenklappe und Piratenmütze steht an der Reling, rechts hinter ihr schwebt ein Luftschiff im Himmelsblau.

Sema hat inzwischen ein Clipchart aufgestellt und begrüßt alle anwesenden Hobbymaler. „Das Quartiersmanagement, also Sebastian Wolff, hat uns das Material für diese Aktion finanziert.“ Beifall. „Blaues Pferd und roter Hund – unsere Welt ist kunterbunt!“, verkündet Fadime das Motto und verweist auf Joseph Beuys, der sagte: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Dann erklärt Sema die Technik des Druckens; es funktioniert mit allen möglichen Gegenständen und selbst gebastelten Vorlagen.

Nun aber los – schließlich ist Regen angekündigt. Und das Gemeinschaftsbild soll möglichst an diesem Tag fertig werden.

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