Bauske referiert im Zoo

Plastikmüll in den Weltmeeren: Übel an der Quelle stoppen

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Bernhard Bauske (Zweiter von links) vom WWF bei seiner Projektarbeit in Vie tnam. Hinter ihm türmt sich Plastikmüll auf, der die Tropenparadiese überschwemmt.

Ostend (sh) – Es ist billig herzustellen und flexibel einsetzbar: Plastik. Das aus Polymerketten bestehende, nahezu unverwüstliche Material war einst Segen und scheint nun zum Fluch zu werden.

Aufgrund mangelhafter Abfallwirtschaft – vor allem in ärmeren Ländern – landet Plastikmüll in den Weltmeeren. Über dieses Thema sprach der Biologe Bernhard Bauske im Zoo Gesellschaftshaus in der Vortragsreihe „Erlebnis Zoo – Abenteuer Naturschutz“. Bauske ist für die Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) im Bereich Meeresschutz tätig. Auf der kleinen vietnamesischen Insel Con Dao bietet sich Bauske und seinem Team ein trauriges Bild: Berge von Plastikflaschen, Tüten, Verpackungen und Kunststoffbehälter türmen sich in dem Tropenparadies auf. Oft ist der Müll schwarz eingefärbt – von den Öllachen auf dem Meer. Die unberührte Natur versinkt im Abfall.

Der Kunststoffmüll komme zum größten Teil vom Land und werde über die Flüsse in die Meere geschwemmt, sagt der Experte. In Südostasien gibt es zahlreiche wilde Deponien, die während der Regenzeit überflutet werden. Dadurch gelangt der Müll zunächst in die Flüsse und von dort schließlich ins Meer. „Man geht davon aus, dass bereits 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren liegen, in 15 Jahren wird sich die Menge verdoppelt haben“, sagt Bauske und ergänzt: „Auch wenn dies nur Schätzungen sind, macht es doch deutlich, dass wir vor einem massiven, globalen Umweltproblem stehen.“

Auf der Suche nach Missständen: Der Biologe Bernhard Bauske hat sich dem Meeresschutz verschrieben.

Bauske liefert weitere erschreckende Zahlen: Pro Jahr werden weltweit 78 Millionen Tonnen Plastikverpackungen pro Jahr benutzt, davon geraten 32 Prozent unkontrolliert in die Natur. „Kunststoffe sind nicht biologisch abbaubar und können hunderte und sogar tausende Jahre dort liegen“, erklärt der Biologe. Vor allem auf dem Meeresgrund, wo es kalt und salzig ist, verrotte das Plastik extrem langsam. Während laut Bauske aus Entwicklungsländern vorwiegend größere Plastikteile in den Ozeanen landen, gerät aus Deutschland überwiegend Mikroplastik, also Teile, die kleiner als fünf Millimeter sind, über Abwasser und Flüsse ins Meer. Diese kleinen Partikel stammen beispielsweise von Kosmetika mit Peeling-Effekt, Reifenabrieb oder von Kunststofftextilien, die in der Waschmaschine gewaschen werden.

Der Plastikmüll gefährdet zahlreiche Tierarten: Für Seevögel seien besonders Luftballonreste verheerend, denn die sind angenehm weich und werden für Nahrung gehalten. Meeresschildkröten verwechseln Plastiktüten mit Quallen, die auf ihrem Speiseplan stehen. Meeressäuger, die zum Atmen auftauchen müssen, verfangen sich in Schnüren und Netzen und verenden. „Rund 700 Tierarten sind vom Plastik in den Meeren betroffen“, sagt der Biologe. Laut Bauske gibt es jedoch gute Lösungsansätze: „Das Einbringen von Müll in die Natur muss an der Quelle gestoppt werden. Der Müll muss richtig eingesammelt werden“, sagt er und bezieht sich dabei auf die nicht funktionierende Abfallwirtschaft in ärmeren Ländern. So gebe es zum Beispiel in Südostasien in Supermärkten mittlerweile hygienisch verpackte Waren, nur habe sich die Abfallwirtschaft nicht mit dem Konsumverhalten weiterentwickelt, erläutert Bauske.

Der WWF will dem Problem auf drei Ebenen begegnen: Auf internationaler politischer Ebene, auf nationaler Ebene sowie mit konkreten Projektvorhaben vor Ort. Der WWF möchte, dass sich die Staaten mit einem Abkommen dazu verpflichten, dass kein Plastikmüll mehr in die Meere gelangt. Zudem müsse die Finanzierung des Abfallmanagements in Entwicklungsländern sichergestellt werden. Dazu sollten auch die Hersteller von Plastikverpackungen in die Pflicht genommen werden. Außerdem sei es wichtig, die Menschen vor Ort in Projekte einzubinden. So besteht laut Bauske der Müll im Mekongdelta in Vietnam zu einem hohen Anteil aus organischem Müll, der kompostierbar ist. „Und Kompost wird gut bezahlt“, sagt Bauske. Dies könnte ein Anreiz zur Mülltrennung sein. Ebenfalls entscheidend sei die Vermeidung von Plastik, sagt der Fachmann. Wer auf Einwegplastik verzichtet, leistet schon einmal einen guten Beitrag zur Reduzierung der Plastikflut.

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