„Eine Kerze ist Luxus“

IGS Nordend sammelt über 6000 Euro für syrische Kinder

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Livia (von links), Omar Sharaf, Anita Starosta und Elias bei der Übergabe des symbolischen Schecks.

Nordend (jf) – Die Interessengemeinschaft Südend an der IGS Nordend beschäftigt sich seit Jahren mit dem Krieg in Syrien und gestaltete dafür 2015 spektakuläre Aktionen: Ein Zeltlager für Geflüchtete wurde auf dem Schulhof nachgebaut, ein Keller an der Bildungseinrichtung so nachgestaltet, dass dort Schüler lernen können, wenn Bombenangriffe drohen.

Trauriger Alltag noch immer in einigen Gebieten Syriens. Der Krieg in dem 3800 Kilometer entfernten Land befindet sich nunmehr im unglaublichen neunten Jahr. Für die Schüler der IGS Nordend ist besonders die syrische Stadt Erbin nicht weit weg. Mit ihrem Sponsorenlauf am 23. März 2018 sammelten sie über 6000 Euro, um den Kindern besonders in der größten Schule Nr. 3 in Erbin zu helfen.

Omar Sharaf und Anita Starosta von der 1968 gegründeten Hilfsorganisation medico international, die sich seit über sechs Jahren für Untergrund-Schulen in Erbin einsetzt, nahmen über ein Jahr nach dem Lauf von Elias und Livia einen symbolischen Scheck entgegen. Seit 2001 lebt Omar Sharaf in Deutschland, einige Verwandte sind in Erbin geblieben. Sharaf berichtete: „Das Projekt zur Hilfe der Untergrund-Schulen musste abgebrochen werden, weil Raketen einige Einrichtungen zerstörten. 27 Menschen kamen ums Leben.“ Die Nachricht von der Zerstörung der Schulen hat die Kinder und Jugendlichen der IGS Nordend getroffen, das erzählte der Leiter der IG Südend und Lehrer Johannes Wilhelm.

Etwa 30.000 Einwohner des einst 85.000 Menschen zählenden Erbins sind nach Norden zwangsumgesiedelt worden. „Der Winter in Syrien war hart, deshalb haben wir einen Teil der Spende genutzt, um Winterkleidung für Bedürftige, vor allem für Kinder, zu kaufen.“ Allein der Transfer des Geldes von Deutschland nach Syrien ist höchst abenteuerlich und hängt von Vertrauenspersonen ab. „Wir wollen nicht, dass dieses Geld in die falschen Hände gerät“, betonte Sharaf. Mit nur zwei Euro könne ein Erwachsener in Syrien eingekleidet werden. Man kaufe die Sachen bei einheimischen Schneidern, um auch diesen zu helfen. „Die Inflation in Syrien liegt bei 600 Prozent. Weil die Verwaltung nicht funktioniert, steigt die Kriminalität.“ Sharaf ist zum dritten Mal an der IGS Nordend und gerne bereit, wiederzukommen und detailliert über seine Heimat zu erzählen. Die Siebtklässler sind mucksmäuschenstill und hören ihm zu. „Wir haben noch etwa 1700 Euro von eurer Spende übrig. Damit wollen wir den Kindern helfen, Wissenslücken zu schließen, und engagierte Nachhilfelehrer bezahlen“, erklärte Sharaf. Erbin ist zu 80 Prozent zerstört, es gibt kein Wasser, keinen Strom. „Eine Kerze ist schon Luxus“, bemerkte der Syrer.

Die IG Südend engagiert sich dafür, dass es den Kindern in Erbin ein bisschen besser geht. Die stellvertretende Schulleiterin der IGS Nordend, Susanne Frye, sagte zum Abschluss: „Ich bin stolz auf euch.“ Von medico international erhalten die Kinder eine Urkunde als Dankeschön. Gerne würde die IGS Nordend mit einer Schule in Erbin eine Partnerschaft begründen. Vielleicht wird das bald möglich.

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