Bunt statt Grau in Bornheim

Nicole Wächtler gestaltet Schüttguthalle der FES

Nicole Wächtler malt die letzten Pinselstriche an die große Wand des FES-Betriebshof Ost. Foto: Faure

Bornheim (jf) – Nur noch wenige Pinselstriche fehlen, dann ist das große Wandbild komplett. Nicole Wächtler klettert erneut auf das etwa sechs Meter hohe Rollgerüst, das ein bisschen wackelt. Zwei Striche leuchtendes Rot ganz oben rechts – fertig.

Seit 20 Jahren schafft die in Frankfurt geborene Künstlerin, die in Darmstadt und Mailand studierte, Projekte im öffentlichen Raum. Die Schüttguthalle im Betriebshof des Frankfurter Entsorgungs- und Service Unternehmens (FES) in der Weidenbornstraße ist ihre vierte Arbeit für die FES. Wächtler sprüht nicht, sie malt mit Pinseln und hochwertiger, wetterbeständiger Acrylfarbe. Der Wertstoffhof Ost ist für die Künstlerin mehrfach vorteilhaft: Sie begegnet Mitarbeitern und vielen Menschen, die den Kofferraumservice nutzen. Und sie kann ihre leeren Farbbüchsen direkt und fachgerecht entsorgen.

In Vorgesprächen haben sich Unternehmen und Künstlerin für die ehemals graue Halle entschieden. Dort wird Laub und Grünschnitt in Container, die im Boden eingelassen sind, aus den Kehrmaschinen geschüttet. „In der Halle werden weder die Mitarbeiter noch das Laub nass“, erklärt Pressesprecher Stefan Röttele. Später wird der organische Abfall kompostiert.

Aus diesem Vorgang, dem Entzug von Wasser, leitet sich Wächtlers Motiv ab; über zwei Seiten ziehen sich Streifen, in denen viel zu entdecken ist: Leuchtstoffröhren, ein Kühlschrank, alte Lampen, CDs, Monitore. Das alles kann beim Kofferraumservice abgegeben werden. Es gibt sogar Stammkunden. Und solche, die sich schweren Herzens von Lieblingsstücken trennen. Manchmal bleibt Zeit für ein Gespräch zwischen den FES-Mitarbeitern und den Kunden. So wird der Kofferraumservice zum sozialen Treffpunkt. „Mit dem Wandschmuck wird jetzt sichtbar, was sonst in den Containern verschwindet“, freut sich Röttele.

Die Künstlerin hat mit der Arbeit im September begonnen. Zunächst fotografierte sie die Halle, fertigte am Computer Vorschläge zur Gestaltung an, sprach darüber mit dem Unternehmen. Dann ging es auf das Rollgerüst. „Man gewöhnt sich eigentlich schnell an die Höhe. Ich kann zwei bis sechs Stunden auf dem Gerüst arbeiten. Nur das Wetter muss immer mitspielen“, erläutert die Designerin.

Die Zusammenarbeit mit der FES klappte gut, Wächtler mochte es, während ihrer Arbeit Zuspruch zu erhalten. Sie hatte immer einen Papierausdruck dabei, so konnten Neugierige, die es ganz genau wissen wollten, schon vorab einen Blick auf das fertige Projekt werfen.

Jaim Kaddouri arbeitet seit über 30 Jahren beim Entsorgungsunternehmen. „Es ist doch schön, wenn jeder kommt und guckt“, sagt er. Und erklärte den Kunden gerne, was da entstand.

Die an zwei Seiten bemalte Schüttguthalle leuchtet bunt über den Hof und sorgt so für freundliche Gesichter bei Mitarbeitern und Kunden. Ob Nicole Wächtler nochmals mit der FES zusammenarbeiten würde? „Jederzeit!“, antwortet sie. „Wir haben noch drei weitere Schüttguthallen“, sagte Stefan Röttele. Arbeit gebe es also genug.

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