Pilotprojekt der SG Bornheim und des Bildungsdezernats zur Sprachförderung im Alltag

Möglichst viele mit ins Boot holen

Bei der SG Bornheim vermitteln ehrenamtlich Engagierte alltagstauglich die deutsche Sprache. Foto: Faure

Bornheim (jf) – Harald Seehausen, Vorstandssprecher und Leiter des Kinder- und Familienzentrum (Kifaz) der SG Bornheim (SGB) Grün-Weiß, begrüßt die große Runde: „Es geht um frühe alltagsintegrierte Sprachförderung, die sich in den Stadtteil öffnet.

“ Bildungsdezernentin Sylvia Weber knüpft an: „Das auf sechs Monate, also noch bis Januar 2020 ausgelegte Projekt, ist ein Novum und auf ehrenamtlichem Engagement begründet. “.

In Vorbereitung auf die Schule fallen große Defizite in der deutschen Sprache auf, nicht nur bei Kindern mit Migrationshintergrund. „Ein Sportverein ist ein guter Ort, um miteinander in Kontakt zu kommen, weil man zur Verständigung zunächst nicht zwingend Sprache benötigt“, sagt Weber. Außerdem könne oft die ganze Familie einbezogen werden.

Die SG Bornheim mit dem einzigen Kifaz Deutschlands, das nur sieben Meter von der Außenlinie des Fußballplatzes entfernt ist, bietet seit 2007 eine Menge: Die Kinder können dort mittagessen und werden bei der Erledigung ihrer Hausaufgaben unterstützt. Pädagogischer Mittagstisch nennt sich das. Es gibt Feriencamps und internationale Treffen zum Kochen und Backen. Das Familiensportcafé, initiiert von Integrationslotsin Khadija Souie, hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt.

Die SGB-Mitglieder kommen aus 54 Nationen. „Seit vielen Jahren bemühen wir uns in Kooperation mit der Universität um Entwicklungsprozesse von Kindern“, erklärt Seehausen. „Inzwischen tauchen Männer auf, die bei uns vor 30 oder 40 Jahren in den Kindermannschaften trainiert haben. Das berührt uns.“

18 SGB-Mitglieder beteiligen sich am Projekt, die meisten haben ihre Wurzeln im Ausland. Außerdem gibt es eine integrative Entwicklungsgruppe, in der auch Kinder mit Einschränkungen Sport treiben. „Als ich als kleiner Junge zur SGB kam, war der Trainer nach meinen Eltern die wichtigste Person für mich. Inzwischen trainiere ich selbst die Kids“, erzählt Amar Harambasic, der sich um die Entwicklungsgruppe kümmert. Sie besteht seit zwei Jahren, ist für Kinder zwischen sieben und elf Jahren und war eine Herausforderung für Harambasic. „Es ist ein offenes Angebot“, ergänzt Danijel Pajic, Trainer und Koordinator des Fußball- und Freizeitcamps. Er stammt aus Bosnien, war eine Zeit lang in den USA und kam vor ein paar Jahren zurück nach Deutschland. Der Verein half ihm. Inzwischen arbeitet Pajic beim Deutschen Roten Kreuz in der Flüchtlingshilfe.

Die aus Marokko stammende Najlae Benlahssen ist seit 19 Jahren in Deutschland und Mutter von zwei Kindern. Sie absolvierte in Deutschland eine Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin, bekam jedoch keinen Job. Nun kümmert sie sich um den pädagogischen Mittagstisch. „Ich kann verstehen, wie schwierig die deutsche Sprache ist“, sagt sie. Die Kinder kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. „Man muss mit ihnen reden, sie beispielsweise fragen, was sie am Wochenende gemacht haben. Man muss dran bleiben, dann kann man auch Talente entdecken und fördern.“ 24 Kinder sind aktuell beim pädagogischen Mittagstisch, zwei bis drei Betreuer kümmern sich um sie. „Es ist toll, wenn sie durch unsere Unterstützung bessere Noten nach Hause bringen. Das macht allen Mut.“

Josh Haas, 16 Jahre alt, ist einer von zehn Jugendtrainern im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Mit sechs Jahren begann er, bei der SGB Fußball zu spielen, hat im ersten Schuljahr am pädagogischen Mittagstisch teilgenommen. Nun betreut er zwei Jungen intensiv bei den Hausaufgaben. „Etwas Besonderes war die Fahrt mit den Bussen der Nationalmannschaft nach Karben zum Fußballgolf im Sommerferiencamp. Die Kids sind vor Freude ausgerastet“, erzählt er.

„Die Leute, die zu uns kommen, merken schnell: Die SGB ist ein spezieller Verein“, sagt Hannes Breining, Jugendleitung. „Wir versuchen, möglichst viele mit ins Boot zu bekommen.“ Kontinuität, Dialog und Reflexion seien wichtig im Verein. „Wir setzen uns an einen Tisch und diskutieren, was möglich ist und was nicht.“

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