Zusammenarbeit zwischen Stadtbücherei und Ingenieuren startet

Weg vom Mobiltelefon und ran an den Baukasten

Startschuss für die Pop-Up-Technothek in der Zentrale Kinder- und Jugendbibliothek: Sönke Ohls, Elke Sautner, Helga Hofmann und Doris Rosenfeld (von links) wollen für Technik-Themen begeistern. Foto: Faure

Bornheim (jf) – Wie bastelt man eine Limo-Uhr? „Das geht ganz einfach, ich habe es schon getestet. Die Fünftklässler aus der Helmholtzschule werden später ihren Spaß haben“, sagte Sönke Ohls und lachte.

Er ist Leiter des Arbeitskreises „Jugend & Technik“ beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI), Bezirk Frankfurt-Darmstadt.

Er war zu Gast in der Zentrale Kinder- und Jugendbibliothek im Saalbau Bornheim, um gemeinsam mit der Bücherei ein neues Projekt zu starten: Die Technothek.

Auch Stadträtin Elke Sautner (SPD) war da. „MINT (Mathematik, Information, Naturwissenschaften, Technik) ist wichtig – gerade auch für Mädchen“, unterstrich sie. Ab sofort gibt es in der Kinder- und Jugendbibliothek rund 20 Kästen zum Bauen, Konstruieren und Experimentieren – die Pop-Up-Technothek, eine von insgesamt drei Säulen des neuen Angebots. Die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle wird weitere 40 Kästen auf Anfrage an Schulklassen ausleihen. In der 2020 neu zu eröffnenden Nordweststadtbibliothek wird es eine stationäre Technothek geben.

„Wir wollen mit den drei Technotheken-Angeboten erlebbare Zugänge zu Technik und Naturwissenschaften schaffen, leider gibt es bei den Kindern erschreckend wenige Kenntnisse. Gerade bei Mädchen besteht ein Rückstand. Aber der kann aufgeholt werden“, meinte Sautner. Laut Umfragen können sich zurzeit nur 15 Prozent aller Schüler einen Beruf im MINT-Bereich vorstellen – das sind zu wenige. „Wer kennt nicht ‚Die Sendung mit der Maus’? Die Technothek, ein für zehn Jahre geplantes Angebot, ist eine Fortsetzung mit anderen Mitteln“, schloss die Stadträtin.

Sönke Ohls brach eine Lanze für die Mädchen. Sie seien genauso zu begeistern wie Jungen, blieben sogar konzentrierter dabei, wenn sie einmal Feuer gefangen hätten. Die Hürden für MINT lägen anderswo. Kinder gingen viel selbstverständlicher an die Dinge heran. Unter dem Motto „Wie schwer kann das schon sein?“ würde einfach probiert. „Genau dieses Ausprobieren ist wichtig. Neben den Kästen gibt es außerdem jede Menge Literatur“, sagte der Experte. Das vom VDI zunächst mit 40.000 Euro ausgestattete Projekt ermögliche es dem Ingenieurverein, an mehr als 100 Schulen Nachwuchstalente zu erreichen. „Was wäre alles nicht da ohne ingenieurtechnische Leistungen? Man sollte die Welt einmal aus diesem Blickwinkel betrachten“, regte Ohls an. Natürlich müssen nicht alle Ingenieure werden. Hauptsache sei es, dass der junge Mensch einen Beruf ergreift, der zu ihm passt und in dem er sich wohl fühlt. Gebe es keine Erkundungsmöglichkeiten, wird die Findungsphase schwierig.

„Ab 15. November können Sieben- bis 13-Jährige jeden Freitag zwischen 13 und 18 Uhr jede Menge ausprobieren und sich mit Magnetismus, Mechanik und Elektronik beschäftigen – altersgemäß und dem eigenen Zeitrahmen entsprechend“, erläuterte Doris Rosenfeld, Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek. „Wir wollen die Kinder weg vom Computer und vom Handy hin zu eigenen spannenden Entdeckungen und Erfahrungen führen“, sagte sie. Erste Kindereinrichtungen haben sich bereits angemeldet. Für die Pop-Up-Technothek werden noch technikinteressierte, ehrenamtlich tätige Erwachsene gesucht.

Und was ist mit der Limo-Uhr? Die funktioniert, die digitale Zeitanzeige leuchtet und blinkt. Das klappt auch mit Zitronensaft oder einer Kartoffel. Nur nicht mit Leitungswasser – es sei denn, man gibt Salz dazu.

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