Fotovoltaik dient Mietern, der Stadt und der Umwelt

Mieterstrom – eine gute Sache

Norbert Breidenbach (von links), Peter Feldmann und Frank Junker mit einem Solarmodul vor den sanierten Häusern in der Nebeniusstraße. Foto: Faure

Riederwald (jf) – Ein stilisiertes Haus mit Solarmodul auf dem Dach und die Buchstaben „PV“ – dieses Zeichen weist auf eine Fotovoltaik-Anlage hin. Das kleine Schild befindet sich an der Haustür einer Wohnanlage in der Nebeniusstraße im Riederwald.

„Damit weiß beispielsweise die Feuerwehr sofort Bescheid“, erklärt Bodo Becker, Projektleiter Fotovoltaik bei der Mainova, bevor es weiter in den Keller des Hauses geht.

Der örtliche Energieversorger und Frankfurts größtes Wohnungsbauunternehmen, die ABG Holding, arbeiten seit Jahrzehnten gut zusammen, so auch bei diesem Projekt. „Wir haben die in den 1950er Jahren erbauten Mietwohnungen zwischen 2016 und 2018 saniert und Aktiv Plus-Häuser daraus gemacht“, erklärt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Auf den Satteldächern befinden sich jetzt Solarmodule, jedes erzeugt 330 Watt. Außerdem werden an einer Fassade organische Fotovoltaik-Elemente getestet. Und im Keller befinden sich Gleichrichter und ein Batteriespeicher. „Damit können wir nicht nur die üblichen 30 Prozent des notwendigen Stroms über Sonnenenergie abdecken, sondern sogar 45 Prozent“, sagt Becker.

Und was kostet das den Mieter? Nichts, denn Mainova pachtet die Dachflächen von der ABG und plant, installiert, finanziert und betreibt die Fotovoltaik-Anlagen und kümmert sich auch um Vertrieb, Messung, Bilanzierung und Abrechnung.

Oberbürgermeister Peter Feldmann, der aufgrund seines Amtes sowohl dem Aufsichtsrat der Mainova als auch dem der ABG vorsitzt, lobt die Kooperation. „Die Stadt will bis 2050 den Energieverbrauch um die Hälfte senken und ihn dann zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien abdecken. Bereits vor meiner Amtszeit wurden 50 Prozent der Dächer auf die Möglichkeit der Nutzung von Solarenergie überprüft, inzwischen liegen alle Ergebnisse vor: Über ein Drittel der Dachflächen in Frankfurt könnten dafür genutzt werden.“ Das 2016 angelegte Solarkataster Hessen liefert die entsprechenden Informationen. „Die Wohnungswirtschaft hat eine Schlüsselrolle beim energetischen Bauen“, unterstreicht Feldmann. Die Sanierung in der Nebeniusstraße ist ein gutes Beispiel: Ein Drei-Personen-Haushalt, der durchschnittlich 3500 Kilowattstunden Energie im Jahr verbraucht, spart durch die Solaranlagen rund 100 Euro per anno. Deshalb ist Mieterstrom ein gutes Konzept und ein guter Tarif – der über Fotovoltaik erzeugte Strom kommt direkt vor Ort den Mietern zugute und kann bei diesem Projekt auch noch gespeichert werden. Zudem werden die öffentlichen Netze entlastet. Es liegt auf der Hand, dass sich der Oberbürgermeister – und nicht nur der – mehr dieser Projekte wünscht.

„Seit fast 20 Jahren baut die ABG Passivhäuser“, weist Frank Junker auf ein anderes Projekt hin. Zurzeit haben 4000 Wohnungen diesen Standard. Bei diesem Konzept ist die Nebenkostenabrechnung so niedrig, dass ihre Erstellung mehr Verwaltungskosten verursachen würde, als die Abrechnung letztendlich einbringt. „Wir gewähren beispielsweise eine Flatrate an Heizkosten und leisten damit in Frankfurt Pionierarbeit“, bemerkt Junker. Seit 2015 haben Mainova und ABG rund 160 Photovoltaik-Anlagen mit 3,7 Megawatt Leistung errichtet. Die Module erzeugen insgesamt 3,4 Megawattstunden Ökostrom im Jahr – das entspricht dem Bedarf von etwa 1000 Haushalten. Gleichzeitig werden so 1650 Tonnen CO2 eingespart.

„Der Mieterstrom bringt erneuerbare Energie direkt in den urbanen Raum. Damit profitieren die Mieter unmittelbar vom Ökostrom“, ergänzt Mainova-Vorstand Norbert Breidenbach.

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