Mehrdeutige Konstruktionen

Finissage mit Schulkünstler Dirk Krecker

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Die elf Jahre alte Sara hat von Schulkünstler Dirk Krecker viel gelernt und ist stolz auf ihr Werk.

Ostend (nma) – Ein Jahr lang haben Fünftklässler der Helmholtzschule im Frankfurter Osten ganz besonderen Kunstunterricht genossen. Die Klasse wurde im vergangenen Schuljahr nicht nur von ihrer Lehrerin unterrichtet, sondern auch vom Frankfurter Künstler Dirk Krecker.

In einer kleinen Finissage ließen Krecker und die Schüler das Jahr Revue passieren. „Bei uns starten die Schüler in Jahrgang fünf in Klassen, die unterschiedliche Schwerpunkte haben“, berichtete Tina Baumung, Klassenlehrerin der Kunstklasse. „Die Kunstklasse hatten wir in diesem Jahr zum allerersten Mal“, sagte sie. Dirk Krecker ist freier Künstler und lebt in Frankfurt. Verschiedene Lehrtätigkeiten hat er bereits inne, doch eine junge Schulklasse über ein Jahr zu begleiten, sei auch für ihn neu gewesen. „Wir haben den Umgang mit Bildern sehr geübt. Dazu gehört das formale Erkennen von Eigenschaften des Bildes, aber auch das Finden eines eigenen Zugangs dazu“, erklärte Krecker.

Verschiedene Ausstellungen habe er mit den Schülern in Frankfurt besucht. Mit Lehrerin Tina Baumung habe er das eine oder andere Mal in der Meinung über ein Bild weit auseinander gelegen, doch genau das sollten die Schüler ja lernen: „Kunst ist nicht wie Mathematik. Bilder sind eher Konstruktionen von Mehrdeutigkeit. Die Schüler haben schnell mitbekommen, dass selbst zwei ausgebildete Künstler bei einem Bild nicht immer einer Meinung sind.“ Auch der handwerkliche Umgang mit Materialien habe zum Stoff im vergangenen Jahr gehört: „Wir haben mit Farben gearbeitet, gemischt, verschiedene Materialien kennengelernt und einfache Bleistiftzeichnungen gemacht“, sagte Krecker. „Dabei durften die Kinder nicht radieren, denn sie sollten lernen, dass es nicht unbedingt auf richtig oder falsch ankommt. So wie es ist, ist es gut. Das wollte ich ihnen vermitteln.“ Er habe das vergangene Jahr sehr genossen, die Schüler haben ihn in alle Richtungen überrascht. Grundsätzlich, findet Krecker, komme das Thema Kunst an Schulen viel zu kurz. Der Umgang mit Bildern sei wichtig für eine allgemeine Medienkompetenz.

Bezahlt wurden Dirk Krecker und auch das Material zum großen Teil von den Frankfurter Sparkassen und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Die Kinder stehen zum Abschluss vor ihren Gemälden im Foyer der Helmholtzschule und zeigen ihren Eltern und Geschwistern ihre Werke. Krecker wird während der Finissage verabschiedet, denn das Projekt ist erst einmal vorüber. Die nächste Kunstklasse wird ein anderer Künstler übernehmen. „Es hat viel Spaß gemacht“, findet er elfjährige Norman. Sara (elf Jahre) meint: „Die Ausstellungen waren etwas zu lang“, ihre Klassenkameradin Lena (elf Jahre) ergänzt: „Aber trotzdem immer sehr schön.“ Was Sara vom Schulkünstlerjahr mitnimmt: „Dass ein Bild immer noch gut gerettet werden kann, auch wenn man sich vermalt. Dann wird eben etwas Neues daraus.“

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