Mehr Lärmschutz erforderlich

Bürgerinitiativen laden zu Spaziergang entlang Autobahn ein

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Bündnissprecher Friedhelm Ardelt-Theeck (Zweiter von links) am Fuß der Seckbachtalbrücke, die nicht benutzt wird.

Riederwald/Seckbach (sh) – Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen hat beschlossen, rund 1080 Meter der Autobahn 661 – zwischen der Autobahnbrücke in Seckbach bis zur Anschlussstelle Friedberger Landstraße einzuhausen (wir berichteten).

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann spricht von einer „Jahrhundertchance“, während verschiedene Bürgerinitiativen keinen Grund sehen, bei dieser Baumaßnahme ins Schwärmen zu geraten. Das Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn (AUA), die Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ und der BUND Frankfurt Ost hatten zu einer Trassenbegehung eingeladen, um am Erlenbruch sowie an der Lärmschutzgalerie Seckbach ihre Standpunkte zu verdeutlichen. Trotz Sturmböen schlossen sich rund 80 Interessierte dem Spaziergang an. AUA-Sprecher Friedhelm Ardelt-Theeck ermunterte generell zu Spaziergängen in diesem Bereich. „Genießen Sie die Stille. Denn ist die A661 erst sechsspurig ausgebaut und der Riederwaldtunnel in Betrieb, ist es mit der Stille vorbei“, mahnte Ardelt-Theeck. Denn sechsspurig soll die Autobahn im Zuge der Einhausung ausgebaut werden, wie aus einer Machbarkeitsstudie hervorgeht, die Ardelt-Theeck vorliegt. Nach Ansicht von AUA wird der Ausbau wieder ein Planänderungsverfahren nach sich ziehen. Als Unverschämtheit bezeichnete er, dass bei der von der Römer-Koalition gewählten Einhausungs-Variante L2 ausgerechnet der Bereich der Lärmschutzgalerie Seckbach offenbleiben soll.

Für eine Einhausung, also den größtmöglichen Schutz der Anwohner vor Lärm und Abgasen, sei seitens Initiativen, Ortsbeiräten und Betroffenen schon lange gestritten worden. Von der Stadt Frankfurt hatten die Einhausungs-Befürworter erwartet, dass sie sich selbst gegenüber Bund und Land für den „Deckel“ stark mache. Das passiere nach Ansicht von Ardelt-Theeck nun viel zu spät: „Jetzt, wo die Unterlagen für das Planänderungsverfahren vorliegen, beschließt die Stadt Frankfurt die Einhausung. Wie ein Schüler, der im Unterricht gepennt hat.“ Überhaupt ist Ardelt-Theeck enttäuscht, dass Lärmschutzmaßnahmen erst nach Klagen und jahrzehntelangen Protesten ergriffen würden. „Die Stadt kümmert sich nicht um die Planungen.

Nicht einmal für ihre eigenen Einrichtungen wie Schulen und Sportplätze macht sie beim Land Hessen Druck für einen besseren Schutz“, sagte Ardelt-Theeck. An der Baustelle für das Autobahndreieck Erlenbruch ist bereits dessen Zentralbauwerk zu erkennen. Nach Prognosen von Ardelt-Theeck seien dort ähnliche Verhältnisse zu erwarten wie am Homburger oder Offenbacher Kreuz: Stau und erhöhte Unfallgefahr. In unmittelbarer Nachbarschaft: Das Eintracht-Leistungszentrum im Riederwald und das Stadion am Bornheimer Hang. Am Riedgraben berichtete Folkhart Funk von der Bürgerinitiative für den Erhalt der Grünen Lunge, dass das einst zusammenhängende Naherholungsgebiet aufgrund des Autobahnbaus in seiner Struktur zerrissen wurde. Damit habe das Gebiet an Artenreichtum eingebüßt. Vogelarten seien verschwunden, die Fahrbahnen werden für Amphibien und nachtaktive Insekten zur Todesfalle.

Am Fuß der Seckbachtalbrücke erfuhren die Teilnehmer, dass diese Brücke schon vor zehn Jahren gebaut wurde, aber noch unbenutzt ist. „Brücken werden zuerst gebaut, um vollendete Tatsachen zu schaffen“, behauptete Ardelt-Theeck. Die 6,50 Meter hohen gewölbten Lärmschutzwände an dem Bauwerk gebe es nur, weil das in der Nähe befindliche Hufeland-Haus geklagt habe, erklärte der AUA-Sprecher.

Dass die Römer-Koalition im Zuge der Einhausung zwischen Seckbach und Bornheim davon spricht, dort eine „Grüne Mitte“ zu schaffen, stimmt die Bürgerinitiativen keineswegs versöhnlich. Der Bau des „Deckels“ bedeutet einen „Eingriff in die Natur“, kritisierte Funk. Das Grün, das auf der Beton-Einhausung angepflanzt wird, sei kein Ersatz für die derzeitige Artenvielfalt, die durch den Bau verloren gehe. „Eine ,Jahrhundertchance‘ ist die Einhausung nicht. Die echte Jahrhundertchance hieße: Klimaschutz, Arterhaltung und Verkehrswende“, sagte Funk.

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