Fünf Forschungsgruppen untersuchte n in einer Sozialstudie verschiedene Lebensbereiche

Es lebt sich gut im Riederw ald – eigentlich

Sebastian Wolff (von links), Sabine Flick und Alexander Herold zu Beginn der Veranstaltung. Foto: Faure

Ostend (jf) – Groß war das Interesse an den Forschungsergebnissen einer neuen Sozialstudie im Riederwald und der Saal der evangelischen Philippusgemeinde entsprechend voll.

Quartiersmanager Sebastian Wolff stellte Sabine Flick und Alexander Herold vom Institut für Soziologie an der Goethe-Universität vor. Sie und Studierende des Fachbereichs Soziologie führten im Wintersemester 2018/19 ein partizipatives Seminar unter dem Titel „Soziales Leiden im Stadtteil“ durch. Nein, kein Fehler, es heißt tatsächlich „Leiden“ und nicht „Leben“.

„Als 2010 im Riederwald das Quartiersmanagement eingerichtet wurde, ging dem eine Sozialraumanalyse in Kooperation mit der Fachhochschule voraus. Nach fast zehn Jahren liegt nun eine neue Studie vor, bei der 102 Bürger zu verschiedenen Themen befragt wurden“, leitete Wolff die Präsentation ein. Durch die Bank ergab sich, dass die Riederwälder das viele Grün im unmittelbaren Umfeld, die Kinderfreundlichkeit und die Zentrumsnähe mit guten Verkehrsanbindungen schätzten. Negativ wurden die mangelnde Infrastruktur und der geringe Standard in den Mietwohnungen beurteilt.

Zur Erarbeitung der Studie waren die Studenten mehrere Monate im Stadtteil unterwegs und sprachen mit den Riederwäldern. So trafen sie sich mit alleinstehenden Senioren, die fehlende Einkaufsmöglichkeiten und ein mangelhaftes soziales Angebot beklagten. Andererseits gibt es seit 1981 die Begegnungsstätte Am Erlenbruch 26 des Frankfurter Verbandes. Doch die werde zu wenig beachtet. Darüber hinaus fanden die Forschenden heraus, dass alleinstehend nichts mit einsam zu tun hat: Wer möchte, kann sein Leben recht gut selbstbestimmt gestalten, findet Hilfe und erhält gleichzeitig die eigene Autonomie.

Um die Rolle der Väter kümmerte sich eine weitere Gruppe. Väter seien in ihrer Funktion wenig präsent, beim Kinderarzt und auf Spielplätzen seien sie in der Minderheit. Es fehle an öffentlichen Sozialstrukturen, die Väter ansprechen und ihnen helfen könnten.

Für Kinder seien der Abenteuerspielplatz und das Kinder- und Jugendhaus wichtig. Allerdings konnte nur mit Neun- bis Zwölfjährigen gesprochen werden, die Älteren waren kaum anzutreffen. Für einige Kinder sei das Kinder- und Jugendhaus ein zweites Zuhause.

Der Riederwald ist Anfang des 20. Jahrhunderts als Arbeitersiedlung entstanden. Der Volks-Bau- und Sparverein (VBS) hatte eine große Bedeutung. Als 1976 die ersten alten Häuser abgerissen wurden, entstand eine Initiative, um die Siedlung zu bewahren. Die Schäfflestraße trennt den VBS- vom ABG-Teil. In beiden Gebieten gibt es Aktive und Zuschauer, „Meckerer und Macher“. „Der Abriss des Hauses Riederwald 1999 war eine große Niederlage, ebenso die Schließung der Stadtteilbibliothek 2011“, sagte die Sozialbezirksvorsteherin und Mitforscherin Inge Wendel. Vielleicht könne in Zukunft ein neuer Treff an der Ecke Raiffeisen-/Schäfflestraße entstehen.

An jedem zweiten und vierten Mittwoch im Monat findet in der Schäfflestraße 27 ein Nachbarschaftsfrühstück statt. Dort kamen die Studierenden mit den Riederwäldern ins Gespräch, dabei ging es auch um das Thema Wohnen. Gerade in den Mietwohnungen der ABG sei Schimmelbefall und eine Vernachlässigung der Häuser festzustellen. Die ABG sei für Anfragen nicht erreichbar, erhöhe jedoch die Mieten, ohne Sanierungen durchgeführt zu haben.

Fazit der Sozialstudie: Die Riederwälder fühlen sich in ihrem Stadtteil wohl. Ein besonderer Dank gilt Quartiersmanager Sebastian Wolff, wie von allen Teilnehmern betont wurde. Er habe es inzwischen auch geschafft, mit Hessen Mobil ins Gespräch zu kommen. Wahrscheinlich wird es Sprechstunden von Hessen Mobil im Nachbarschaftsbüro Riederwald ganz im Zentrum des Quartiers geben. Denn mit dem Bau des Riederwaldtunnels komme noch eine Menge auf die Menschen in diesem Bereich zu.

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