Klimaforscher zu Gast in der Helmholtzschule

„Da kommt was auf uns zu“

Simon Scheiter spricht in der Helmholtzschule über den Klimawandel. Foto: Faure

Ostend (jf) – Vor etwa zwei Jahren startete die Reihe „Helmholtz am Abend“ im Gymnasium in der Habsburgerallee.

Zur jüngsten Veranstaltung konnten Schüler, interessierte Eltern und Nachbarn dem Wissenschaftler Simon Scheiter vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum lauschen. Anschließend gab es eine Fragerunde. Den Abend hatte die seit Kurzem bestehende Umweltgruppe mit Unterstützung der Lehrerinnen Johanna Rehner und Annette Hummel organisiert.

In seiner Begrüßung unterstrich Schulleiter Gerrit Ulmke: „Weltweit kommen Populisten an die Macht, die Fake News verbreiten. Dem müssen wir mit Fakten und guten Argumenten entgegentreten.“ Ulmke verwies auch auf den Al Gore-Film „Eine unbequeme Wahrheit“ und die 2017 veröffentlichte Fortsetzung als Ergänzung zum Vortrag.

„Frankfurt war 2018 mit durchschnittlich 12,9 Grad der wärmste Ort Deutschlands seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“, begann Simon Scheiter. Seit 1850 lässt sich die globale Erwärmung wissenschaftlich nachweisen. Ursache dafür ist der Treibhauseffekt, der bereits 1824 entdeckt und 1862 von John Tyndall experimentell nachgewiesen wurde. Hinter dem Treibhauseffekt steht in erster Linie die von Menschen verursachte Erhöhung der Kohlenstoffdioxid-Konzentration. „Die Wissenschaftler sind sich zwischen 91 und 100 Prozent über die Ursachen einig“, sagte Scheiter. Der Experte weiß:

Der Klimawandel ist nachweisbar und hat Folgen. Die Eismassen in Grönland schmelzen, der Meeresspiegel steigt an. Auch der Permafrostboden in Sibirien taut, damit dauern Vegetationsperioden länger, Tiere breiten sich nach Norden hin aus. „Unter den Arten werden die Generalisten gewinnen, die Spezialisten verlieren“, bemerkte der Wissenschaftler. Werden weiter wie bisher fossile Brennstoffe genutzt, wird die Kohlendioxid-Konzentration im Jahr 2100 auf 1000 Anteile pro Million (parts per million, ppm) und die Temperatur laut Experte um vier Grad steigen. Die Erwärmung wird in den Regionen sehr unterschiedlich sein, besonders betroffen werden die Polkappen und Afrika sein, sagt Scheiter. Der Sommer 2018 entsprach genau den Vorhersagemodellen. Und es wird weiter Klimakonflikte geben, mit Wassermangel, Dürren und Stürmen und in deren Folge mit Migration ist zu rechnen. „Wir haben heute bereits die Technologie, um dem entgegenzusteuern“, sagte er. Was also kann man tun, um den eigenen Kohlendioxid-Fußabdruck zu verringern? Die Antworten sind simpel; Rad fahren statt Auto, die Ernährung umstellen – weniger Fleisch essen, Produkte aus der Region bevorzugen. Viele Kleinigkeiten wirken in der Masse. Das wird auch in der Fragerunde deutlich. Die beginnt gleich mit dem Thema Mülltrennung in der Schule. „Es sollte eigentlich schon zwei Mülleimer in den Klassenräumen geben. Aber die Reinigungskräfte müssen eben auch mitziehen“, antwortete Ulmke. „Was, wenn sich die USA wie angekündigt aus dem Pariser Klimaabkommen verabschieden?“ „Das wäre ein wirklich schlechtes Vorbild“, antwortete Scheiter. Er hofft auf richtige Entscheidungen in Deutschland, um bei diesem Thema noch rechtzeitig die Kurve zu kriegen.

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