Spannende Diskussionsrunde

Klimawandel, Ökonomie und Politik

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Andreas Mulch, Bettina Wiesmann und Anja Weisgerber stellen sich Fragen aus dem Publikum.

Nordend (jf) – Es war der Wunsch von Bürgern: Sie hatten die Bundestagsabgeordnete Bettina M. Wiesmann (CDU) gefragt, ob man nicht einmal eine Veranstaltung zum Thema Klimawandel organisieren könne.

Frau konnte und hatte Anja Weisgerber, Beauftragte für Klimaschutz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und Andreas Mulch, stellvertretender Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in die Orangerie eingeladen. Zum Thema „Klimawandel. Ökonomische Triebfeder. Politische Herausforderung“ sprach zunächst Andreas Mulch. „Es geht uns heute so gut wie noch nie. Aber es gibt Nebenwirkungen“, stellte der Wissenschaftler fest. Inzwischen gebe es mehr Klima- als Kriegsflüchtlinge. Allerdings habe man vor 55 Millionen Jahren ebenfalls ein Treibhausextrem nachweisen können. „Es gibt immer wieder Extrempunkte, an denen ein System nicht mehr agiert. Die sind relativ schnell erreicht. Eine Rückkehr zur ‚Normalität’ dauert wesentlich länger“, unterstrich der Experte.

„Inzwischen sagen 90 Prozent aller Wissenschaftler, dass der Mensch eine Mitverantwortung für den Klimawandel trägt“, begann Anja Weisgerber. Bei einer Erderwärmung um 1,5 Grad bis 2100 würde der Meeresspiegel um 50 Zentimeter steigen und ganze Gebiete unter Wasser setzen. Dabei lebe ein Drittel der Weltbevölkerung in Küstenregionen. „200.000 Millionen Klimaflüchtlinge sind bei einer Erderwärmung um zwei Grad zu erwarten.“ Deshalb sei ein „Handeln auf allen Ebenen“ notwendig.

28 Prozent des weltweiten Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes gehen auf China zurück, 16 Prozent auf die USA und zwei Prozent auf Deutschland. Zwar wolle Deutschland bis 2020 die CO2-Emission um 40 Prozent reduzieren, weiß jedoch bereits, dass dieses Ziel nicht zu schaffen ist. Dann also 55 Prozent bis 2030. „Man braucht eine Menge Geld und sollte kluge Klimaschutzfonds anlegen“, äußerte Weisgerber.

„Unsere Anstrengungen werden international geachtet“, setzte Weisgerber hinzu. Von der Autoindustrie und ihrer „Schummelsoftware“ sei sie enttäuscht. In der anschließenden Diskussion zeigte sich ein Gast skeptisch: „China und Indien planen über 1000 neue Kohlekraftwerke. Was können wir tun, auch wenn wir unsere eigenen Entscheidungen viel zu lange verschleppt haben?“ Für derartige Vorhaben gebe es von Deutschland keine Bürgschaften und Kredite, sagte Weisgerber. Man müsse die Menschen mit Begeisterung überzeugen.

„Und wir sollten uns in der eigenen Wohnung umschauen. Wie viele Geräte stammen denn vom Spitzenreiter des CO2-Ausstoßes?“, meinte Mulch. „Wäre es da nicht doch sinnvoll, nicht nur Atomstrom zu importieren, sondern wieder selbst welchen zu erzeugen?“, fragte ein Mann aus dem Publikum. Dem Gedanken erteilte Weisgerber eine entschiedene Abfuhr: „Den Ausstieg aus der Atomenergie stellt keiner infrage.“ Es seien viele Maßnahmen auf allen Gebieten erforderlich, um dem Klimawandel zu begegnen. Eine davon sei beispielsweise das Engagement von Felix Finkbeiner mit seiner Initiative „Plant for the Planet“.

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