Motto des Jubiläumskonzerts des Seniorenorchesters hat es in sich

„40 Jahre – und kein bisschen leiser“

Stadträtin Daniela Birkenfeld (rechts) gratuliert dem Seniorenorchester zum 40-jährigen Bestehen. F: Faure

Bornheim (jf) – Der Dirigent in der Lederschürze eines Schmiedes schlägt mit zwei Hämmern rhythmisch auf einen Amboss ein. Und das ist wahrlich nicht leise. Aber ein absolutes Konzerthighlight.

Im Herbst 1979 kam Wolfgang Thomas, Leiter der Singkreise an der Volkshochschule, auf die Idee, einen Musikkreis zu gründen. Der Frankfurter Verband stellte die Probenräume zur Verfügung und finanzierte den Dirigenten. Viele Proben und ein Jahr später trat das 35 Musiker starke Orchester erstmals in den Römerhallen vor 1000 Zuhörern auf. Konzertreisen in Frankfurts Umgebung, in den Schwarzwald und nach Wien folgten. 1994 übernahm der heutige Dirigent Rail Grodzenski die Stabführung. „So ist dieses Konzert eigentlich ein Doppeljubiläum für 40 Jahre Orchester und 25 Jahre Dirigentschaft“, erklärte Orchestersprecher Wolfgang Gregor im Saal des Bürgerhauses Bornheim. Der Klangkörper beweist: Musizieren muss nicht mit der Rente aufhören.

Stadträtin Daniela Birkenfeld überbrachte Glückwünsche: „Seit vier Jahrzehnten bringt das Seniorenorchester mit seiner Musik Freude in das Leben der Menschen.“ Die Dezernentin erinnerte an den ersten Auftritt, da spielten zwölf der 35 Musiker Mundharmonika. Das hat sich geändert, heute gleicht der Klangkörper in der Besetzung Akkordeon, Bassblockflöte, E-Bass, E-Piano, Horn, Keyboard, Klarinette, Klavier, Percussion, Querflöte, Saxofon, Schlagzeug, Trompete und Violine eher einem Salonorchester. Unter Rail Grodzenski wuchs die Formation über sich hinaus: „Man spürt, wie eng die Bindung zwischen Dirigent und Orchester ist“, sagte Birkenfeld. Der Dirigent ist nicht nur bei der Stabführung, sondern auch beim Arrangement für die vorhandenen Instrumente gefragt.

Die jüngste Musikerin ist 58 und spielt Querflöte, die älteste zählt 88 Jahre und bedient das Schlagwerk.

Die Sopranistin Petra Bornhövd und der Tenor Wilhelm Fachinger, der auch die Querflöte beherrscht, unterstützen das Orchester mit Gesang.

Nachwuchs wäre schön für den Klangkörper, der sich montags von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr im Haus der Begegnung im Sozialzentrum Marbachweg, Dörpfeldstraße, zum Proben trifft. Wer also Teil des „Frankfurter Buena Vista Social Club“ werden will, kann einfach dazukommen.

„Es geht nicht nur um Musik, sondern auch um ein Gefühl der Gemeinschaft, um ein herzliches Miteinander“, äußerte Laura Brüggemann vom Frankfurter Verband.

Petra Steinkamp berichtete humorvoll vom Ablauf einer Probe. Wenn alle ihre Instrumente aufgebaut und gestimmt haben, sagt Grodzenski „C-Dur!“ an. Für alle Instrumente nicht gleich einfach. Nach der Kaffeepause kündigt der Stabführer an, „Flöhe zu suchen“ – das heißt, es wird Takt für Takt geübt. Aber wenn der Dirigent die Probe mit den Worten: „Was für ein Orchester!“, beendet, gehen alle glücklich und zufrieden nach Hause.

Steinkamp führte auch durch das Programm, in dem Stücke von Abba – einem Medley – bis Vincent Youmans – „Tea For Two“ – ausgewählt worden waren, jeder Titel bekam viel Applaus.

Ganz besonderen Beifall gab es allerdings für den ungewöhnlichen Auftritt des Dirigenten am Amboss in der Polka „Feuerfest“ von Josef Strauß.

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