Gedenken an NS-Opfer

Auschwitz: Gedenkstunde in der Budge-Stiftung

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Claudia Korenke entzündet die erste Ker ze, dahinter von links: Rabbiner Andrew Steinkopf, Pfarrer Joseph Anumnu, Pfarrerin Melanie Lohwasser, Jens-Joel Of fen und Daniela Birkenfeld vom Vorstand der Budge-Stiftung.

Seckbach (jf) – Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der 27. Januar, ist einer von drei Gedenktagen, die in der Henry und Emma Budge-Stiftung mit einem festen Ritual begangen werden.

„In Auschwitz wurden in nur zweieinhalb Jahren eine Million Menschen ermordet. Menschen aus verschiedenen Gruppen, die nicht ins Bild der Nationalsozialisten passten“, sagte der Geschäftsführer der Stiftung Thorsten Krick. „Unser Gedenken gilt allen Opfergruppen, deshalb stehen viele Kerzen auf dem Tisch. Diese Gedenkstunde ist ein Beitrag zu einer weltoffenen Zivilgesellschaft.“ Claudia Korenke, Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Frankfurt, sprach über ihre sehr persönlichen Erfahrungen. Ihr Großvater, ein nichtjüdischer, aber in einer jüdischen Firma tätiger Mensch, wurde, weil er sich nicht von seiner geradlinigen und loyalen Haltung abbringen ließ, 1938 verhaftet. Am 24. Dezember 1942 verstarb er in Auschwitz. Zynisch stand dazu in den Unterlagen, dass trotz aller Bemühungen jede Hilfe zu spät gekommen sei. „Ich weiß nicht, wie meine Familie es fertig gebracht hat, je wieder Weihnachten zu feiern. Vielleicht war es ja der Kinder wegen“, schlussfolgerte Claudia Korenke.

Ihr Vater Hans-Ulrich Korenke initiierte 1978 die Frankfurter Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und 1980 mit Walter Wallmann die Städtepartnerschaft mit Tel Aviv. Tochter Claudia Korenke ist keine Zeitzeugin, aber sie kennt viele. Menschen wie Trude Simonsohn, die an dieser Gedenkstunde als Bewohnerin teilnahm und jahrelang vor allem jungen Menschen von dem Unfassbaren berichtete. Es braucht diese Zeitzeugen, es braucht aber auch junge Leute, die dafür sorgen, dass nichts in Vergessenheit gerät. „Nie hätte ich geglaubt, dass Zeitzeugen alt werden müssen in einem Klima, das von wachsendem Antisemitismus geprägt ist“, bemerkte Korenke. Antisemitisch eingestellte Flüchtlinge lebten in einer Gesellschaft, die Israels Sicherheit zur Staatsräson erklärt hat. Vermehrt versuchen Kräfte, Juden und Christen gegen Muslime aufzuwiegeln. Das dürfe nicht zugelassen werden. Dennoch werden antisemitische Anfeindungen gegenwärtig eher zur Regel, denn zur Ausnahme. „Das steinerne Wachhaus neben der Westend-Synagoge ist traurige Realität. Mir stellt sich die Frage: Hört das nie auf?“

Juden leiden noch immer unter Antisemitismus

120.000 Juden lebten in Deutschland, 7000 in Frankfurt. „Und wir sind als Gesellschaft nicht in der Lage, ihnen ein ruhiges Leben ohne Anfeindungen zu bieten“, sagte Korenke. Neben diesen beklagenswerten und bedenklichen Entwicklungen gebe es aber auch Hoffnung. „Es gibt die Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum, die vor zehn Jahren ihre Arbeit aufnahm. Und Ende des vergangenen Jahres wurde in Jerusalem die Einrichtung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerkes vereinbart“, sagte Korenke. Ein Ausblick, der Mut macht und motiviert in der Stunde des Gedenkens, in der nach dieser berührenden Rede viele Kerzen angezündet wurden.

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