Schirn zeigt Richard Jacksons „Rooms“ - das Unerwartete, Unerklärbare und nicht Akzeptierte

Farbe per Knopfdruck verspritzt

Schirn-Direktor Philipp Demandt und Kurator Matthias Ulrich stellen die Ausstellung vor. Foto: Faure

Ostend (jf) – Fast mannshohe, an Disney erinnernde Entenfiguren mit rosa Brüsten statt der Augen, in grünen Soldatenjacken und mit Helmen sind mit Farbeimern verkabelt. Die tarnfarbene Weltkarte spannt sich über einen vieleckigen Globus.

Auf dem sind Bohrtürme angebracht, nur auf der Fläche von Paris fällt bei genauem Hinsehen der Eiffelturm auf. Im Inneren des Vielecks kopulieren Entenfiguren. „War Room“ heißt dieses Werk und ist einer von fünf Räumen des US-amerikanischen Künstlers Richard Jackson, die gegenwärtig in der Schirn Kunsthalle in einem Saal zu sehen sind.

Der 1939 im kalifornischen Sacramento geborene Jackson studierte zunächst Ingenieurwesen. In den 1970er Jahren verwendete er Leinwände als Mal- und Installationselemente, drückte die bemalten, noch nassen Keilrahmen mit der Farbseite auf die Museumswände. Oder schichtete sie übereinander, sodass die Farben an den Seiten herausliefen.

Ab etwa 1990 überlässt der Künstler den Farbauftrag eigenhändig konzipierten und konstruierten Maschinen.

Der Titel der Ausstellung „Richard Jackson. Unexpected Unexplained Unaccepted“ will aufrütteln, anregen, Neugier wecken. Der Besucher soll sich auseinandersetzen mit dem Unerwarteten, der künstlerische Schaffensprozess, den Jackson allein durchlebt, ist nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar, Unmengen von Kabeln, Schläuchen, Rohren gehören zum Setting. Im „Delivery Room“ (Kreißsaal) dreht sich das Bett mit Geburtshelfer und Gebärender, im „Dining Room“ der Tisch mit einem Mann in der Mitte, der sein entblößtes Hinterteil zeigt. „Home sweet Home“ leuchtet über der Szene. Jackson provoziert, schockiert, polarisiert und gehört in den USA zu den radikalsten Künstlern. Er durchkreuzt institutionelle Konventionen und Sehgewohnheiten, entwickelte eine Malerei, die nichts mit Hand und Pinselführung von Menschen zu tun hat. Farbe wird auf Knopfdruck verspritzt, kraftvoll und meist schreiend bunt. So entstehen dreidimensionale farbliche Gebilde, die oft noch Reminiszenzen an andere Künstler wie Marcel Duchamp, Robert Rauschenberg, Jasper Johns und an den Architekten Richard Buckminster Fuller enthalten, wie die Wandtexte erläutern.

Bis zum 3. Mai ist die Schau zu sehen. Leider konnte der Künstler aus familiären Gründen nicht zur Preview kommen. Aber er wird am 24. März er zum Künstlergespräch erwartet.

Am 25. und 26. März findet im Künstlerhaus Mousonturm zudem Jacksons erste multimediale und partizipative Performance „Till it‘s over“ in Zusammenarbeit mit dem belgischen Ensemble „Skagen“ statt – es ist eine deutsche Erstaufführung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare