Gedenkstunde an die Pogromnacht vor 81 Jahren im Arnsberg-Saal

Erinnerung ist wichtig

Mirjam Wenzel (Zweite von rechts) entzündet die erste Kerze, rechts neben ihr Thorsten Krick (von links) Joseph Anumnu und Melanie Lohwasser. Foto: Faure

Seckbach (jf) – Der Rosl-und-Paul-Arnsberg-Saal in der Budge-Stiftung ist ein Ort für Freude und Schmerz gleichermaßen. Im November ist dieser große Raum jedes Jahr der Gedenkstunde an die Schrecken der Pogromnacht 1938 vorbehalten.

Am Anfang stand wie in den Regeln festgelegt das gemeinsame Gebet, in diesem Jahr von der Pfarrerin Melanie Lohwasser, dem Pfarrer Joseph Anumnu und dem Rabbiner Andrew Steiman gesprochen.

„Trauer und Freude sind in diesem Haus etwas Alltägliches. Doch die Gedenkstunde zur Pogromnacht ist etwas Besonderes“, sagte Geschäftsführer Thorsten Krick zur Begrüßungder zahlreichen Gäste – Bewohner, Freunde, Vertreter aus Politik und Gesellschaft und Schüler der IGS Nordend.

Nicht nur der Gedanke an die Vergangenheit, auch der an die Gegenwart schmerze, sagte Krick mit Bezug auf den Anschlag in Halle. „Das Gespenst einer rechtsradikalen Partei mit unglaublichen Wahlergebnissen macht traurig und wütend“, äußerte der Geschäftsführer. „Besonders trifft das für unser Haus zu, in dem Menschen mit unvorstellbaren Verlusten und unvorstellbaren Erlebnissen wohnen“, bemerkte Krick.

Mirjam Wenzel, seit 2016 Direktorin des Jüdischen Museums in Frankfurt, hielt die Rede zum Gedenken. „Die Praxis des Erinnerns ist so alt wie die Literatur“, begann Wenzel und verwies auf Cicero, der sagte: „Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ Genau so ein Ort soll das umgebaute Jüdische Museum werden. So sei eine biografische Ausstellung über den Historiker Arno Lustiger geplant, Marcel Reich-Ranicki und seiner Frau Teofila werde in besonderer Weise gedacht. Es gehe jedoch nicht nur um prominente Persönlichkeiten, sondern auch um das Andenken an Menschen ohne bekannte Namen. „Die Bedeutung der Geschichte wird gegenwärtig von einigen Leuten infrage gestellt. Dagegen bringen wir uns in Stellung“, unterstrich Wenzel. Sie verwies zudem auf den Unterschied zwischen jüdischem Gedächtnis und deutschem Gedenken. „Die Entwicklung und die Anschläge in jüngster Zeit sprechen leider dafür, dass die Shoah in vielen deutschen Familien nicht mehr thematisiert wird. Wir wollen mit sehr persönlichen Ansätzen dem entgegenwirken.“ Zum Abschluss ihrer Rede zitierte Mirjam Wenzel den bekannten Philosophen Theodor W. Adorno, der äußerte: „Die Entbarbarisierung der Gesellschaft wird nur durch die Erziehung ermöglicht.“

Anschließend wurden im Gedenken an die sechs Millionen jüdischer Opfer des Holocausts sechs Kerzen angezündet. Auch die Schüler beteiligten sich an diesem Ritual.

Musikalisch begleitete das Duo Kuperschmidt diese Stunde, die mit dem Kaddisch beendet wurde.

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