Jetzt gibt es den Cäcilie-Breckheimer-Platz und den Marie-Juchacz-Platz im Riederwald

Erinnerung an starke Frauen

Peter Feldmann (links) überreicht der Schwiegertochter von Cäcilie Breckheimer, Ria Breckheimer, und deren Schwiegersohn Bernhard Engel ein Schild von der Benennung des Platzes, rechts Werner Skrypalle. Foto: Faure

Riederwald (jf) – Die 18 Kinder aus der Klasse 4b der Pestalozzischule hatten mit ihren Lehrerinnen Liliana Alem und Helga Göpper in den vergangenen Wochen viel über Cäcilie Breckheimer und Marie Juchacz erforscht und die Ergebnisse auf großen Tafeln zusammengestellt.

„Im Riederwald entstanden 1909 bis 1912 die ersten Häuser. Viele Häuser wurden bis 1934 gebaut. Die Arbeiter, die den Osthafen bauten, brauchten Wohnungen … Die Menschen im Riederwald hatten sich immer gegenseitig geholfen und miteinander gefeiert. Viele engagierten sich in der SPD und in der KPD. Viele Menschen hatten gegen die Nazis gekämpft“, steht in gut lesbaren schwarzen Druckbuchstaben auf grünem Grund. „Im Riederwald gibt es nur einen Platz, der nach einer Frau benannt ist – der Johanna-Tesch-Platz. Nun kommen zwei Plätze mit Frauennamen dazu“, erklärte Mio aus der 4b.

Ortsvorsteher Werner Skrypalle begrüßte die Kinder und vielen Gäste auf dem Platz vor Kirche und Saal der evangelischen Philippusgemeinde, darunter Ria Breckheimer, Schwiegertochter von Cäcilie (Cilli) Breckheimer. Die ältere Dame wurde von Schwiegersohn Bernhard Engel begleitet, dessen Frau Ellen Engel in der Pestalozzischule von ihrer Oma Cäcilie Breckheimer erzählt hatte.

Skrypalle dankte der Philippusgemeinde für die Zustimmung zur Benennung des Platzes – dem Ortsbeirat war bei Antragstellung für die neuen Namen nicht bekannt gewesen, dass der Platz der Gemeinde gehört. Für diesen Fehler entschuldigte sich der Ortsvorsteher. Dann erzählten die Kinder von Cäcilie Breckheimer. Sie stammte aus einer jüdischen Familie und wurde 1895 in Berlin geboren. Mit neun Jahren wurde sie zur Vollwaisen und kam nach Bad Ems, später in ein Mädchenstift nach Frankfurt. Sie absolvierte die Volksschule und eine Lehre zur Schneiderin. Außerdem lernte sie Englisch, Französisch und Russisch. Cäcilie Breckheimer arbeitete als Stenotypistin bei der Frankfurter Zeitung. Sie engagierte sich in der SPD, lernte dort ihren späteren Mann Wilhelm Peter Breckheimer kennen. Die Familie, zu der ab 1926 Sohn Wolfgang gehörte, lebte in einer Ein-Zimmer-Wohnung in der Raiffeisenstraße 25 – ein Stolperstein erinnert an Cäcilie Breckheimer, die im Februar 1943 zur Geheimen Staatspolizei vorgeladen worden war und anschließend im Frauengefängnis in der Klapperfeldstraße saß. Im Frühjahr 1943 wurde sie nach Auschwitz gebracht, wo sie Ende Juli 1943 starb.

„Wir finden es ungerecht, dass Juden, nur weil sie Juden waren, umgebracht wurden“, sagten die Kinder. Dann berichteten sie von Marie Juchacz. Sie wurde 1879 in Landsberg an der Warthe geboren, arbeitete später als Dienstmädchen, in der Fabrik sowie in der Krankenpflege. Anschließend lernte sie Schneiderin, heiratete, bekam zwei Kinder, trennte sich von ihrem Mann und ging mit den Kindern nach Berlin. Während des Ersten Weltkriegs engagierte sie sich in verschiedenen Kommissionen, trat 1908 der SPD bei. Im Februar 1919 gehörte sie zu den 37 weiblichen Abgeordneten (insgesamt 423) der Weimarer Nationalversammlung und hielt als erste Frau eine Rede im Parlament. Im Dezember 1919 war sie Gründungsmitglied der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und bis 1933 Vorsitzende. 1941 floh sie nach New York und kehrte 1949 nach Deutschland zurück. 1956 starb sie in Düsseldorf.

Oberbürgermeister Peter Feldmann erklärte anschließend: „Mit der Benennung der beiden Plätze werden zwei starke Frauen geehrt. Wir wollen, dass nie wieder Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt und ermordet werden.“

Ausführlich ging Ansgar Dittmar, Vorsitzender des Awo-Kreisverbandes Frankfurt, auf die Verdienste der beiden Frauen und das 100-jährige Jubiläum von praktiziertem Frauenwahlrecht ein.

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