Filmpremiere, Lesung und Lyrik beim Berufsverband Bildender Künstler

Dem Tod entgegen – Ein surrealer Herbstabend

Ein surrealer, fröhlicher, ernster Abend mit Gabriel dos Santos Dias, (von links) Thomas Goersch, Marijana Dokoza, Barbara Hennings, (hinten:) Karin Afshar, Daniel Hadrovi , Daniel Ableev und Florian Lourenzo dos Santos. F.: p

Ostend (jf) – Die Location war bunt – ganz anders als der düstere Titel der Veranstaltung: Wir reiten dem Tod entgegen. Viele Gäste kannten einander, freuten sich über das Wiedersehen. Autorin Barbara Hennings begrüßte die Besucher und kündigte zuerst eine Lesung an.

Karin Afshar, die später auch in einer Nebenrolle im Film zu sehen war, las aus dem Roman „Die Stimme“ von Marijana Dokoza. Die Schriftstellerin, deren Buch 2018 auf Deutsch erschien, war ebenfalls anwesend. In ihrem Mystery-Roman geht es um unglaubliche Erscheinungen und unerhörte Begebenheiten.

Anschließend sprach Thomas Goersch, einer der drei Hauptdarsteller im Film „Töte mich noch einmal“ von Daniel Hadrovic, über diese Premiere. „Ein aus ‚Gegen den Wind’, ‚Helicops’, ‚Ein Fall für Zwei’ und ‚Marienhof’ bekannter Schauspieler – Antonio Putigano – und ich, der eher im Experimentalfilm und Underground zuhause ist, treffen aufeinander. Der erste Dreh basiert auf einem Buch, der zweite stellte hohe Anforderungen an uns, weil wir mit eigenen Emotionen und ohne Anweisungen agieren sollten.“ Der 20-minütige Film entspreche nicht landläufigen Sehgewohnheiten, ist keine Berieselung, keine beiläufige Unterhaltung, sondern fordert zum Nachdenken auf. „Es ist ein bisschen wie abstrakte Malerei“, sagte Goersch. Es habe viele Diskussionen gegeben: „Ich glaube, Daniel Hadrovic ist während des Drehs und des Schnitts mehrmals gestorben.“ Ist er tatsächlich aber nicht, sondern saß nun vergnügt und gespannt in der ersten Reihe.

Dann wurde es dunkel, der Film „Töte mich noch einmal“, zum großen Teil in der Party-Location „Tiefengrund“ gedreht, begann. Eine Szene nach einer Lesung. Der erfolgreiche Autor Michele (Antonio Putigano) signiert ein Buch, gibt es routiniert und gedankenlos an Clemens zurück. „Erkennst du mich nicht?“, fragt dieser. „Du hast mich vor zehn Jahren getötet.“ Was passiert nun? Eine spannende Frage. Und was wurde aus der hübschen Saphira (Shirley Hermanick), die im zweiten Teil des Films an einem See entlangspaziert? Abgehackte Bilder erzählen von ihr, das gleicht eher eine Diashow als einem Film.

Der Streifen entspricht nicht landläufigen Sehgewohnheiten, er strengt an. Genau das wollte Regisseur Hadrovic. Die britische Band „The Whole Quails“ steuerte die Musik bei, Gabriel dos Santos Dias verantwortet den Schnitt, Florian Lourenzo dos Santos half bei der Technik.

Goersch ist sich sicher, dass der Film auf Festivals begeistern kann. Hadrovic wünscht, ihn in einem Arthouse Kino zeigen zu können. Zum Abschluss las der Seltsamkeitsforscher und experimentelle Poet Daniel Ableev köstliche und erstaunliche Texte wie einen Lebenslauf, Großmutter-Witze und Schlagzeilen aus dem „Daily Deserver“.

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