Lange Nacht der Volkshochschulen mit 20 Angeboten von Podiumsdiskussion bis Musik und Yoga

Für eine soziale Gesellschaft

Truda Ann Smith (links) begrüßte die Gäste zur langen Nacht an der VHS: Zu Gast auf dem Podium waren Sylvia Weber (von links), Bernd Eckhardt und Hubert Kleinert. Foto: Faure

Ostend (jf) – Im Gebäude der Volkshochschule (VHS) in der Sonnemannstraße waren Menschen auf den fünf Etagen unterwegs, genossen den Blick in die Abendsonne von den Balkonen, suchten sich die für sie interessanten kostenfreien Angebote unter Diskussionen, Kunst und Sport.

Truda Ann Smith, Direktorin der Volkshochschule, begrüßte die vielen Gäste zur Eröffnung der langen Nacht: „In 420 Volkshochschulen bundesweit wird das 100-jährige Bestehen dieser Bildungseinrichtungen gefeiert. Es geht an diesem Tag besonders um Zusammenleben und Zusammenhalt und die gemeinsame Gestaltung der Zukunft. “.

Eine der Podiumsdiskussionen bestritten Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber und Hubert Kleinert von der Hochschule für Polizei und Verwaltung Gießen. Bernd Eckhardt (VHS) moderierte. „Viele Menschen trauen der Politik nicht zu, die großen Herausforderungen in den Griff zu bekommen“, skizzierte Weber die Lage und das Entstehen der AfD. „In der Geschichte der Bundesrepublik gab es schon viele Probleme. Die Diskussion hat sich jedoch verändert“, bemerkte Eckhardt. „Wir leben in einer komplett anderen Welt“, bestätigte Kleinert. Die Zahl der Einwohner mit Migrationshintergrund habe sich seit den 1990er-Jahren mehr als verdoppelt. Menschen in Ostdeutschland hätten völlig andere Sozialisationserfahrungen. „Die Gesellschaft ist wesentlich heterogener geworden. Seit 1968 ist das kulturelle Selbstverständnis des Lebens nicht mehr gegeben.“ Weber sagte: „Es sind doch Folgen ökonomischer Veränderungen. Früher gab es ein wirtschaftliches Sicherheitsgefühl, das heute nicht mehr da ist. Die Menschen sind weniger tolerant und offen. Aber dafür kann die Zahl der Migranten nicht verantwortlich gemacht werden, das lässt sich schnell am Vergleich von West und Ost ablesen.“

Nicht alles könne auf ökonomische Faktoren zurückgeführt werden, konterte Kleinert. „Es gibt große Diskrepanzen zwischen Selbsteinschätzung und Einschätzung der Gesellschaft. Die Hauptkonfliktlinien sind kultureller Art“, widersprach Kleinert. Er warnte: „Die AfD rekrutiert sich nicht nur aus sozial Abgehängten.“ Dort, wo die wenigsten Migranten leben, im Osten, ist der Rechtspopulismus am stärksten. „Es gibt große Angst vor einer neuen Wende im Osten, das hat mit den oft bitteren Erfahrungen zu tun.“

Die AfD gehe von ökonomischen Widersprüchen aus, stelle „arme Rentner“ den „gut versorgten Migranten“ gegenüber und schüre damit Konflikte. „Die Politik muss beweisen, dass sie willens und in der Lage ist, die Situation zu ändern“, erklärte Weber. Einig waren sich die Debattanten darin, dass man sich mit der AfD auseinandersetzen müsse, ein kategorischer Ausschluss sei nicht der richtige Weg. Um eher ökologische Probleme ging es in einer weiteren Diskussion mit Sylvia Weber und Matthias Emde von Transition Town. Der Illustrator und Grafiker brachte sich 2011 in die Bewegung Transition Town Frankfurt ein. „Wir fangen mit kleinen Projekten wie solidarischer Landwirtschaft an, lernen, während wir an einem Projekt arbeiten. Ich wünsche mir eine bessere Kommunikation und politische Unterstützung.“ Man solle umdenken: Ökologisches Handeln sei kein Verzicht, man bekomme etwas zurück.

In der Diskussion mit dem Publikum wurde die Stilllegung der Kraftwerke West und Staudinger gefordert sowie politische Regelungen für den Betrieb großer Rechenzentren mit einem enormen Energieverbrauch verlangt. Klimabildung müsse bereits bei den Kindern beginnen. Überhaupt sei Bildung der Schlüssel, betonte Weber und lobte die Anstrengungen der VHS.

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