Jeannette Trzebiner stellt im Nachbarschaftszentrum Ostend aus

Diese Künstlerin schöpft Papier aus Jeans

Christiane Dubuque (links) und Jeannette Trzebiner vor Bildern aus selbst geschöpftem Papier. Foto: Faure

Ostend (jf) – 20 Bilder hängen an der Wand im Café des Nachbarschaftszentrums (NBZ) Ostend in der Waldschmidtstraße. 16 davon haben einen blauen Untergrund. Der kommt von Jeans.

Christiane Dubuque, die seit vielen Jahren die Ausstellungen des NBZ betreut und dafür immer wieder nach außergewöhnlichen Themen und Techniken sucht, ist über die Malkursleiterin Angelika Grünberg auf die Kursteilnehmerin Jeannette Trzebiner gestoßen: „Sie macht Papier aus alten Jeans. Das fand ich sehr interessant“, erklärte Dubuque.

Trzebiner, in Frankfurt geboren, absolvierte eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin und ein Abendstudium Marketing und Kommunikation. Von 2005 bis 2009 lebte sie in Spanien beziehungsweise auf Teneriffa, lernte eine Künstlerin kennen und arbeitete am Flughafen. „Durch den Kontakt zu dieser Frau begann ich, mich intensiv mit Kunst zu beschäftigen“, sagte Trzebiner. Sie fertigte ihre ersten Linolschnitte an, probierte weitere Drucktechniken aus und interessierte sich für Buchbindung. Ein selbst in Japanbindung gefertigtes Gästebuch hatte sie nun ins Café mitgebracht, jede Seite ist aus einem anderen Papier. Und der Rückeinband eben aus Jeans. Wie geht das? „Bei dem Papiermacher und Künstler John Gerard habe ich Kurse besucht. 2016 habe ich das erste Mal mit Jeans gearbeitet. Es ist ein langer Prozess von der Jeans zum Papier.“ Mühevoll schneidet Trzebiner den schweren Stoff in kleine Stücke. Die kommen in den sogenannten Holländer, eine Maschine, mit der Stoff zerkleinert, zerfasert und mit Wasser umgewälzt wird. So entsteht ein Papierbrei, die Pulpe. Dieser wird in die Bütte gegeben, um mit einem Sieb Papier zu schöpfen. „Die Arbeit an der Bütte beruhigt“, sagte die Künstlerin. Eine Bütte hat Jeannette Trzebiner schon zuhause. Sie hätte allerdings gerne eine eigene Werkstatt.

Der Prozess von der Jeans bis zum fertigen Papier ist anstrengend, aufwendig und lang. „Geschöpftes Papier ist ein kostbarer Werkstoff“, weiß Trzebiner. Ihr blaues Jeanspapier – blau ist ihre Lieblingsfarbe – bildet meist den Hintergrund. Den übergießt sie dann „mit lockerer Hand mit dünner Pulpe“ von gelber, weißer oder grüner Farbe. „Man weiß nie, was dabei herauskommt.“ Es entstehen spannende Bilder, leuchtendes Gelb hebt sich vom dunklen Jeansblau ab. Die Künstlerin verwendet auch Schablonen, arbeitet mit verschiedenen Sieben, nie mit Farben und Pinseln. So entstehen einzigartige Werke, die den Betrachter verzaubern und träumen lassen.

Die Ausstellung ist noch bis Anfang 2020 in der Waldschmidtstraße 39 zu sehen.

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