Zoologische Gesellschaft sieht sich vor großen Herausforderungen

Ein Conservation Center für Frankfurt

Christof Schenck (links) und Klaus Becker vor einem Plakat für Vielfalt. Foto: Faure

Ostend (jf) – Die Bilanz der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) für 2018 sieht gut aus: 410 Mitarbeiter, damit 90 mehr in der Projektarbeit und neun mehr am Sitz in Frankfurt, kümmern sich um 29 Projekte in 18 Ländern.

Der Etat betrug 15 Millionen Euro, eine Million mehr als 2017. „Damit steht die ZGF stabil da, um eine Ewigkeitsaufgabe – den Naturschutz – zu erfüllen“, unterstrich Präsident Klaus Becker.

„Als am 6. Mai dieses Jahres der erste globale Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) vorgestellt wurde und darin zu lesen war, dass etwa eine Million Arten in den kommenden Jahren vom Aussterben bedroht sind, war der Schreck zunächst groß. Lange hielt sich diese schockierende Meldung jedoch nicht in den Medien“, erklärte ZGF-Geschäftsführer Christof Schenck. Dabei birgt der Bericht als Ergebnis einer dreijährigen Zusammenarbeit von 145 Wissenschaftlern aus 50 Ländern Brisantes: Über 85 Prozent der Feuchtgebiete sind bereits verloren gegangen, 99 Prozent der Korallenriffe sind gefährdet, 325 000 Quadratkilometer Regenwald wurden bereits vernichtet, 41 Prozent aller Insektenarten entwickeln sich rückläufig. „Wir sind in einer kritischen Situation, haben aber noch Möglichkeiten, um zu reagieren“, verdeutlichte Schenck. Schutzgebiete seien das Rückgrat der Biodiversität. „Doch die Pufferzonen um diese Areale werden immer kleiner. Dabei sind Ökosysteme unglaublich wichtig. Wir können zwar nicht die Welt retten, aber die Schutzgebiete betreuen“, erklärte der Geschäftsführer.

Der bedrohlichen Abnahme der Arten steht ein enormes Bevölkerungswachstum gegenüber – ein oft tabuisiertes Thema, das jedoch besprochen werden müsse.

Im Jahresbericht der ZGF stehen viele Erfolge, aber es gibt auch Misserfolge. Kaum zu glauben, dass in Deutschland der Nationalpark Spessart abgelehnt wurde. Dagegen gibt es in Hessen nun neu das geschützte Wildnisgebiet Wispertaunus.

Weltweit gibt es neben Rückschlägen wie dem Staudammbau in Tansania, der das Selous-Reservat, Afrikas größtes Schutzgebiet für Wildtiere, bedroht, Positives. „In Sambia wurde erstmals seit zehn Jahren kein einziger Elefant innerhalb des North Luangwa Nationalparks gewildert“, berichtete Schenck. Im südamerikanischen Peru konnte der Yaguas-Nationalpark ausgewiesen werden. Beim Bukit-Tigapuluh-Schutzprogramms wurden in diesem Nationalpark auf Sumatra knapp 170 Orang-Utans ausgewildert und bilden inzwischen eine Population, die hoffen lässt.

In Frankfurt soll ein Conservation Center entstehen und Forschungsergebnisse und Leistungen vom Senckenberg Forschungsinstitut, der Goethe-Universität, des Zoos und der KfW zusammenführen. „Das Center soll für die Bevölkerung offen sein und ein Diskussionsforum bieten“, sagte Klaus Becker. Man sei mit der Stadt im Gespräch, könne jedoch noch nicht über Zeitpläne reden: „Es ist eine ziemlich komplexe Aufgabe.“

Natürlich waren auch die Brände im Amazonasgebiet ein Thema, der Waldverlust zwischen Januar und August entspricht etwa dem der letzten 20 Jahre. „50 Prozent der Niederschläge im Amazonasgebiet werden in diesem System selbst erzeugt. Wenn das nicht mehr richtig funktioniert, werden aus Regenwäldern Savannen, die weltweit Auswirkungen haben“, erklärte Schenck.

Auch deshalb müssen Klima und Biodiversität zusammengedacht werden. „Wir sollten stärker auf die Endbilanzen achten, es geht um die internationalen Kosten eines Produktes.“ Von Europa, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt, müssten stärkere Impulse ausgehen. „Die Maßnahmen für Klimaschutz werden immer teurer. Und sie werden nicht von denen bezahlt, die CO2 erzeugen“, stellte Schenck klar.

Die Erde wird weiter bestehen. Und die Menschheit? „Wir tun etwas dafür, dass sie noch länger auf der Erde bleibt.“

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