Star-Autorin gastiert beim Förderverein des Frankfurter Kinderschutzbundes

Charlotte Link liest für den guten Zweck

Charlotte Link liest aus „Die Suche“ in der Orangerie. Foto: Faure

Nordend-Ost (jf) – Die angezündeten Kerzen an den Pfeilern tauchten die Orangerie in warmes Licht. Erfolgsautorin Charlotte Link war zu Gast und las für den guten Zweck – der Erlös des Abends kommt Kindern zugute.

Cornelia von Wrangel, Vorsitzende des Fördervereins des Frankfurter Kinderschutzbundes, begrüßte die Schriftstellerin und führte in den Krimi „Die Suche“ ein. Im Mittelpunkt des mehr als 600 Seiten langen Buches stehen verschwundene Mädchen aus der Gegend von Scarborough in Nordostengland.

„Warum spielen viele Ihrer Bücher in England?“, fragte von Wrangel. „Ich fühlte mich schon früh zu England hingezogen, liebe die Selbstironie der Inselbewohner“, antwortete Link und las die erste Szene, geschrieben aus der Täterperspektive, vor: Die 14-jährige Saskia wird von einem Mann entführt. Sie ist ein braves Mädchen, leider auch in Situationen, in denen das nicht angebracht ist.

„Der Kinderschutzbund veröffentlichte Zahlen: 14.600 Kinder wurden 2018 in Deutschland sexuell missbraucht. Die Dunkelziffer ist erheblich höher“, informierte von Wrangel. Der Kinderschutzbund arbeite vor allem präventiv, um Kinder vor solchen Übergriffen zu bewahren. Nicht zum ersten Mal greift Link das Thema auf: „Ich will Themen bearbeiten, die in der Gesellschaft eine Rolle spielen, will dafür ein Bewusstsein schaffen. Darum geht es mir neben der Unterhaltung. Das muss natürlich ohne erhobenen Zeigefinger passieren, sonst sind die Leser weg“, erklärte Link. Wichtig sei es, die Augen aufzuhalten, Kindern früh beizubringen, dass sie sich auch wehren können.

In der zweiten Szene verschwindet Amelie aus dem Auto ihrer Mutter. Das Verhältnis zwischen einer Mutter, die nichts falsch machen will, und ihrer pubertierenden Tochter ist nicht das beste. Link hat selbst eine 18-jährige Tochter, sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie über Pubertät schreibt. „Es ist kein einfaches Alter“, bestätigte die Autorin.

„Woher kommen eigentlich die Vorbilder für ihre Figuren?“, fragte von Wrangel. „Aus dem Leben. Die Eltern von Amelie versuchen, nach außen ein perfektes Familienbild zu vermitteln. Aber hinter der Fassade bröckelt es. Das kommt mit Amelies Verschwinden zum Ausbruch.“ Ein Krimi sei für Link eine Möglichkeit, Menschen in Extremsituationen zu versetzen. Die Romanfiguren sind ein Mix aus verschieden Begegnungen im Leben: „Wenn mich irgendein Blödmann auf einer Party zutextet, denke ich: Aber ich kann es verwenden. Das macht die Situation einigermaßen erträglich“, verriet die Schriftstellerin.

Sie beginne beim Schreiben immer mit einer Figur, konstruiere dann einen Plot. „Aber ich weiß auch, dass ich den Plan verlassen werde. Manchmal sperrt sich eine Figur, da hat der Plot keinen Sinn mehr.“ Eigentlich sei sie eher ein ängstlicher Mensch, könne gewalttätige Filme nicht gut ertragen. „Aber im Leben gibt es nun mal Brutalität und Grausamkeit. Deshalb muss man das auch schildern.“

An den Triumph des Guten auf der Welt glaubt sie ebenso wenig wie an den des Bösen.

Und wie arbeitet sie? „Die meisten Autoren haben genau wie ich einen disziplinierten Arbeitstag. Man muss sich selbst strukturieren“, erklärte Link. Etwa 14 Monate schreibe sie an einem meist voluminösen Buch, ihr Mann und ihre Verlegerin seien ihre ersten Kritiker.

Bisher veröffentlichte die in Frankfurt geborene Charlotte Link 30 Bücher. 28 Millionen verkaufte Exemplare und Übersetzungen in 20 Sprachen sowie viele Platzierungen auf Bestsellerlisten sprechen für sich. 22 Bücher wurden verfilmt – nicht immer gefielen diese Produktionen der Autorin. „Leider sind TV-Sender sehr ängstlich“, äußerte Link. 2020 wird ihr nächster Krimi erscheinen. „Bücher sind meine Passion. Ich liebe das Lesen und das Schreiben“, sagte die Schriftstellerin.

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