Wo das Herz der Fastnacht schlägt

Frohsinn mit den Bernemer Käwwern: Prunksitzung begeistert das Publikum

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Hoheiten aus Bernem: Jonas I. ist aus den Reihen der BKG 01 und Sandra I. tanzt in der Käwwern-Garde.

Bevor der Vorhang für die Große Prunk- und Fremdensitzungen aufging, fand die Karneval Gesellschaft Bernemer Käwwern klare Worte angesichts der rassistisch motivierten Morde in Hanau: „Radikalismus und Homophobie haben nichts bei den Käwwern, in Frankfurt und in allen Teilen der Gesellschaft verloren – und wem das nicht passt, der kann gehen“, wurde über die Anlage verkündet.

Bornheim –  Alle sind geblieben und haben gut daran getan, andernfalls hätten sie eine grandiose Sitzung verpasst. Für den erkrankten Sitzungspräsidenten Thomas Horn war kurzfristig Axel Heilmann, Präsident des Großen Rats, eingesprungen, der durch Schlagfertigkeit glänzte. Zwei große Themen bestimmten die Frankfurter Fastnachtskampagne 2019/20: Die Jugend und das Handwerk. 

 Denn mit dem Frankfurter Prinzenpaar Jonas I. und Sandra I. steht das jüngste Prinzenpaar Frankfurts auf der Bühne. Die Handwerksbetriebe H&A Nagel GmbH und der Malerbetrieb Thomas Horn stellen die prinzliche Allianz. Und das ist noch längst nicht alles, denn die Tollitäten sind waschechte Bernemer: Prinz Jonas I. von der BKG 01 und Prinzessin Sandra I. ist Gardemädchen der Käwwern. 

Bornheim: Kindergarte „Die Küken“ begeistert

Die Hoheiten sollten später gebührend empfangen werden, doch zunächst stattete das Kinderprinzenpaar Tim I. und Anna I. den Käwwern ihren Besuch ab. Mit jungen Menschen auf der Bühne ging es weiter, denn die Kindergarde der Goldenen Elf aus Rödelheim, „Die Küken“, begeisterte mit einem hinreißenden Marsch.

Mit fastnachtlichen Songs zu bekannten Melodien wie „Waterloo“ brachte die Gesangsgruppe vom KV Bruchkatze aus Ramstein stilecht im Frack und Zylinder den Saal zum Kochen. Die drei Solo-Tänzerinnen Julia Marionek, Ailinee Biller und Lea Müller von der Stadtgarde Kaiserslautern tanzten sich in die Herzen der Zuschauer. Es sollte nicht der letzte Beitrag aus Kaiserslautern gewesen sein. Da die Frankfurter Prinzessin aus den Reihen der Käwwern-Garde kommt, gab es dieses Mal keine Tanzdarbietung aus den eigenen Reihen. Doch mit den Gästen aus Kaiserslautern hatten die Bornheimer Karnevalisten eine sehr gute Wahl getroffen.

Bornheim: Fastnacht bei den Käwwern ein voller Erfolg

Groß war die Freude bei Peter Garten aus dem närrischen Präsidium der Käwwern: Er erhielt aus den Händen von Bernhard Braun, Bezirksvorsitzender Frankfurt der IG Mittelrheinischer Karneval, den Verdienstorden in Gold für sein langjähriges und engagiertes Wirken im Verein. Der nächste Höhepunkt eroberte die Bühne: Tante Lilli – ihr Markenzeichen: Lockenwickler und Kittelschürze – berichtete in ihrer unnachahmlichen Art von Männerfang mit Kuchenduft und präsentierte keck ihr „Zauberhöschen“, das sie im Teleshopping-Kanal erstanden hatte. 

Tante Lilli fabulierte in Lockenwicklern und Kittelschürze über Männerfang mit Kuchenduft. Fotos: Hagemann

Das kaschiere überflüssige Pfunde, denen Tante Lilli durchaus positiv gegenüber steht: „Dicke Menschen sind schwerer zu entführen!“ Auf die Schnelle zauberte sie dann noch aus einem beigen Duschtuch ein veganes Hähnchen. Das Publikum dankte es Lilli alias Guido Klode mit einer Rakete.

Die nächste Stimmungskanone ließ nicht lange auf sich warten: Tausendsassa Bäppi La Belle schlenderte „Humba Täterä“ singend durch die jubelnden Reihen. Mit lakonischem Humor verglich der Entertainer früher und heute und nahm dabei technische Errungenschaften und politische Korrektheit aufs Korn. „Früher war ich einfach nur schwul, heute bin ich LGBTQ…XYZ, ach hör doch auf!“ Für seine Stimmungshits und seine Parodie auf die Sendung „Zum Blauen Bock“ zog es ihn immer wieder in den Saal – ganz nah ans Publikum.

Bornheim: Musikgruppe „Humba Buwe“ heizt ein mit Hits

Gefeiert wurde ebenfalls der Auftritt von Guddi Gudenberg, der von seinem neuen Hobby, dem Nacktwandern, berichtete. Politisch ist der Vortragende, der im wahren Leben Hans Peter Betz heißt und Sitzungspräsident des Gonzenheimer Carneval Vereins ist, manchen Zeitgenossen zu weit links. Guddi Gudenberg verlas eine Reihe hasserfüllter E-Mails, die ihn nach seinen Vorträgen oft aus der rechten Szene erreichen. Für seinen Mut, sich davon nicht beeindrucken und beeinflussen zu lassen – und natürlich für seinen klasse Vortrag gab es Standing Ovations.

Die Musikgruppe „Humba Buwe“ der Stadtgarde Kaiserslautern heizte mit Hits wie „Wir fahren mit dem Bob“ die Party-Stimmung noch einmal ordentlich an, bevor sich dann das Frankfurter Prinzenpaar die Ehre gab. Die Prinzessin freute sich, bei ihrem Heimatverein zu sein. 

Die Tollitäten nahmen unter riesigem Jubel an ihrem Tisch Platz und genossen den Rest der Käwwern-Sitzung. Und da wurde einiges geboten: Mit ihrer dynamischen Darbietung zum Thema „Astronauten und Aliens im Weltall“ riss das Männerballett der Assenheimer Karnevalgesellschaft „Verein Humor“ alle von den Stühlen. Für die „Mission out of Control“ gab es eine Rakete und Standing Ovations.

Bornheim: Glanzleistung der Rot-Weißen Funken

Eine Glanzleistung lieferten zudem die Rot-Weißen Funken vom Karnevalclub Rot-Weiß Kaiserslautern mit ihrem Marsch ab, bevor die Showband Spaßmacher Company den Schlusspunkt einer atemberaubenden Sitzung markierte. Im Foyer an der Sektbar wurde danach noch kräftig weitergefeiert. Für Schunkelrunden und Musik, die gute Laune machte, sorgte Holger M. als Ein-Mann-Kapelle.

(sh)

Aus den Händen von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann wurde Bernhard Ochs im Limpurgsaal des Frankfurter Römers das Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland am Bande verliehen.

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