Seit fünf Jahren gibt es passgenaue Hilfen für Familien von Neugeborenen

Babylotsen erleichtern die  erste Zeit

Die Babylotsinnen Anne Kratz, Viktoria Schildbach, Céline Monnet, Pia Keim, Vanessa Günther, Daniela Dankert, Dorothea Hoffmann, Corinna Schlotter und Melanie Bullig. Foto: Faure

Nordend-Ost (jf) – Ein kleiner Mensch kommt auf die Welt. Nichts ist mehr so, wie es vorher war, das Baby bestimmt den Tagesablauf. Manche Familien kommen mit der neuen Situation gut klar, manche weniger gut.

Seit fünf Jahren helfen in solchen Situationen die Babylotsen: An den Wänden im ersten Stock der Orangerie stapeln sich Kästen mit Jäckchen, Stramplern, Stillkissen, Schlafsäcken, Babybettwäsche. Alles für Notfälle.

Stefan Schäfer, Geschäftsführer des Frankfurter Kinderschutzbundes, Träger des Projekts, blickt zurück: „2014 sind wir gestartet. Die Idee kam von der Hamburger Stiftung See You, die Familien zum frühestmöglichen Zeitpunkt Beratung und Hilfe anbietet. In Frankfurt gibt es 500 Angebote im Bereich ‚Frühe Hilfen‘, Babylotsen führen erfolgreich durch diesen Dschungel und finden genau das Passende.“ Im Kinderschutz könne keine Organisation alleine agieren, da brauche es ein gutes Netzwerk, fügte Schäfer hinzu. Rund 13.000 Kinder kommen jedes Jahr in Frankfurt zur Welt, die Babylotsen erreichen inzwischen 85 Prozent der Familien und sind in allen sieben Geburtskliniken. In den vergangenen fünf Jahren haben 10.000 Familien das Gesprächsangebot angenommen. 20 Prozent dieser Familien benötigen eine längere Begleitung. „Alles ist freiwillig und keine Zwangshilfe“, unterstrich Schäfer.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer stellte fest: „Wir haben ein großartiges Gesundheitssystem. Aber nicht alle haben immer die gleiche Chance, es in Anspruch zu nehmen.“ Deshalb seien die Babylotsen ein wichtiges Angebot für die Geburtskliniken, das Lücken schließt und gleichzeitig eine Schnittstelle ist. Frankfurt richtete im September 2019 ein Modellprojekt Hebammen-Notversorgung ein und will damit dem Mangel an Hebammen entgegenwirken. Im Projekt Wochenbett-Notversorgung werden telefonische Beratung, Hausbesuche und ambulante Betreuung angeboten. Mehr als 200 Familien konnte so geholfen werden.

„Vor 13 Jahren wurde in Frankfurt der erste Vertrag zu ‚Frühen Hilfen‘ unterschrieben. Inzwischen hat sich viel verändert. Darauf reagieren die Babylotsen“, sagte Stadträtin Daniela Birkenfeld. Viele Familien informieren sich schon vor der Geburt über Krankenhäuser und Angebote in ihrem Stadtteil.

Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feiert, unterstrich das Engagement seiner Stiftung für Familien von Anfang an. Die Stiftung habe sich sofort dem Vorschlag der Crespo Foundation angeschlossen. So konnten die Babylotsen mit der Stadt, der aqtivator gGmbH und mit Unterstützung der BHF Bank Stiftung auf den Weg gebracht werden. Aslak Petersen, Geschäftsführer der Crespo Foundation, nickte: „Das Modell eignet sich nicht nur für Frankfurt.“ Und es überzeugt auch hinsichtlich der Kosten: Der Bund stellt den Ländern jährlich 51 Millionen Euro zur Verfügung. Bei 790.000 Geburten jährlich in Deutschland sind das 65 Euro pro Kind. Babylotse Frankfurt kostet aktuell etwa 40 Euro je Kind.

Das Angebot soll ausgeweitet und ins Umland gebracht werden. „Auch Frauenärzte sollten die Babylotsen im Blick haben“, ergänzte Programmleiterin Nicola Küpelikilinc. Bislang gibt es neun Babylotsen, eine weitere Lotsin wird demnächst eingestellt. Die Babylotsen sollen möglichen Unterstützungsbedarf erkennen, im Gespräch klären, was gewünscht wird, und anschließend passende Hilfen vermitteln. So gelingt ein guter Start ins Leben.

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