Gottesdienst und Granatäpfel

Armenischer Frauenverein feiert in der Christuskirche

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Festlicher Weihnachtsgottesdienst bei der Armenisch-Apostolischen Gemeinde.

Nordend (jf) – Während in den Räumen im Erdgeschoss die Speisen gebracht und vorbereitet sowie die Tische geschmückt werden, geht es eine Etage höher sehr feierlich zu: Vier Geistliche, eine Sängerin und eine Organistin zelebrieren den Weihnachts-Gottesdienst.

Die Armenier feiern am 6. Januar Geburt und Taufe Christi, die Feierlichkeiten erstrecken sich weiter über acht Tage. Die Weihnachtshymne steht auf einem Zettel, der zusammen mit einem Granatapfel allen nach dem Gottesdienst als Geschenk überreicht wird. „Der Granatapfel symbolisiert Fruchtbarkeit“, erklärt Ankin Akyüz, Vorsitzende des 2015 gegründeten Armenischen Frauenvereins 2015 – die Zahl steht im Namen für das 100. Gedenkjahr an den Genozid. Akyüz kann kaum still sitzen, ständig wuselt sie von Tisch zu Tisch, hat da noch etwas zu richten, begrüßt jemanden herzlich, hilft einer Mutter, streicht Kindern liebevoll über den Kopf. Und das alles mit gebrochenem Arm. „Schicksal“, sagt sie mutig lächelnd, „ich bin mit der Tasche hängen geblieben.“

Seit 1977 lebt Akyüz in Deutschland, die Lage in der Türkei sei damals für Armenier unerträglich geworden. Die studierte Diplom-Chemikerin hat in Deutschland eine zweite Heimat gefunden und bewusst kennengelernt. Sie will mit dem Verein Brücken bauen. 2018 haben sich die rund 35 Frauen regelmäßig einmal monatlich getroffen, sich ausgetauscht, gekocht und gemeinsam gegessen. „Manche können aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen auch nicht mehr teilnehmen. Wir bräuchten mehr Frauen in der Betreuung und Begleitung“, berichtet die Vorsitzende. Dennoch hat der Verein zwei Tagesausflüge nach Rüsselsheim und nach Würzburg unternommen. „Es war unglaublich, das große Deckenfresko Tiepolos zu sehen, ein Hinweis auf Asien als Geburtsstätte von Schrift und Wissenschaft“, begeistert sich Akyüz noch immer. Eine mehrtägige Reise führte acht Frauen nach Jerewan. Dort legten sie an der Gedenkstätte, die an den Völkermord 1915 erinnert, ein Gesteck in den Farben Rot, Blau und Orange nieder. Es sind die Farben Armeniens, sie bedeuten Blut, Himmel und Hoffnung. Diese Farben finden sich auch zur Weihnachtsfeier auf den Tischen wieder – in farbigen Häkelblüten. Und in Primeln und Hyazinthen.

Auch 2019 will der Verein, der zu Beginn des vergangenen Jahres für seine Erinnerungskultur mit dem Stadtteilpreis des Ortsbeirats 3 (Nordend) ausgezeichnet wurde, wieder mindestens einen Tagesausflug organisieren. „Es wäre schön, wenn wir Sponsoren finden würden, die auch gerne mitwirken können“, sagt Akyüz. Dann verrät sie noch einen Herzenswunsch: „Wenn Frankfurt und Jerewan Partnerstädte werden könnten, wäre ich sehr glücklich. Solche Brücken würden beiden Städten nützen.“

Doch bis dahin scheint es wohl ein weiter und steiniger Weg zu sein. Ankin Akyüz weiß das, wird jedoch unbeirrt weiter für diese Idee eintreten.

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