Im Steindepot des Archäologischen Museums Frankfurt

7000 Jahre Geschichte in Stein

Flügen mit dem Teil eines Lackprofils, einem Foto von Ausgrabungen und einem gerahmten Lackprofil. Foto: Faure

Seckbach (jf) – Auffällig ist das Haus in der Borsigallee nicht. Zudem befindet sich das Depot im Hinterhaus. Doch beim Eintritt in die etwa 15 Meter hohe Halle ist man überwältigt von den meterhohen Regalen mit Zeugnissen der Vergangenheit.

Carsten Wenzel, verantwortlich für die Abteilung Provinzialrömische Archäologie am Archäologischen Museum, begrüßte die Besucher. Thomas Flügen, am gleichen Museum zuständig für Restaurierung, führte durch die Räume, „das Steinarchiv der Stadt“, wie er sagt. Alle Funde stammen aus archäologischen Ausgrabungen. Seit 2012 kamen auch die bei Grabungen in der Kirche St. Leonhard gefundenen Stücke dorthin, darunter 30 Grabplatten. Einige wurden bereits wieder eingebaut, andere werden noch restauriert: „Wir sorgen uns um die Konservierung der Inschriften“, sagte Flügen. Die Funde aus der zwei Meter hohen Auffüllung des Kirchenbodens lagern in vielen Regalmetern und Kisten.

„Vom römischen Mahlstein und einem Zinnendeckstein der römischen Stadtmauer über Funde im römischen Nida, etwa dem heutigen Heddernheim, bis hin zu Gartenskulpturen und Büsten sowie Tafeln lagert hier einiges. An vielen Objekten lässt sich der jeweilige Zeitgeschmack ablesen.“ Doch nicht nur Steine erzählen aus der Vergangenheit. Das Stück eines Metallpfeilers erinnert an die erste Internationale Luftfahrtausstellung 1909 in Frankfurt mit Luftschiffen, Ballonen und Flugzeugen – und 1,5 Millionen Besuchern in drei Monaten. Als man die Neue Altstadt errichtete, erhielten viele Spolien eine neue Bestimmung.

Büsten lagern in einer weiteren Schwerlastregalstrecke. Darunter die steinernen Köpfe von Walter Kolb, dem ersten frei gewählten Bürgermeister Frankfurts nach dem Zweiten Weltkrieg, und vom „Urwaldarzt“ Albert Schweitzer.

„Das alles ist jedoch kein totes Archiv. Immer wieder wird etwas für Ausstellungen genutzt“, erklärte Thomas Flügen. Alle Teile sind nummeriert; je länger die Nummer, desto mehr kann man am Computer über das Objekt erfahren.

Von der Balustrade bekommt man einen Überblick und entdeckt weiße Plastikeimer in großen Kisten. „Dort lagern archäologisch-botanische Proben aus dem Gebiet der Römerstadtschule.“

Längst wird nicht alles ausgebuddelt, was gefunden wird: „Es geht um wirtschaftlich vertretbare Ausgrabungen“, unterstrich Flügen. In einem weiteren Raum befinden sich Unmengen von Amphoren, Tierknochen, Keramik – alles Kleinfunde. In einer Kiste mit der Aufschrift „Pink Lady“ sind keine Äpfel, sondern Überreste eines eiszeitlichen Mammuts.

Das St. Leonhard-Regal weist Lücken auf, weil sich einige Gegenstände gerade in der Ausstellung „Schätze aus dem Schutt – 800 Jahre St. Leonhard“ im Dommuseum befinden. Diese Exposition ist noch bis zum 19. Januar 2020 zu sehen.

Wärmer als in der Halle ist es in der großzügigen Werkstatt der Restauratoren. Ein Schwerpunkt ist die Eisenkonservierung. Die Teile durchlaufen eine Bäderstraße, in der sie sechs bis neun Monate verbringen. Anschließend werden sie in Beuteln trocken gelagert und in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Ein dutzend Sargnägel, gefunden in Rödelheim und von napoleonischen Truppen verwendet, werden gerade behandelt.

An der Wand steht ein großes Lackprofil, in ihm befindet sich noch allerhand, darunter der Unterkiefer einer Ziege.

Draußen in der Halle ist die letzte Station der Führung, eine Steinwerkstatt, nachgebaut um zu beweisen, wie die Römer ihre Steine bearbeiteten. Der Beweis gelang mit experimenteller Archäologie und wurde in der Fachpresse gewürdigt. So liegen Vergangenheit und Gegenwart manchmal nah beieinander.

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